Zu Besuch: Fortis Official Cosmonauts – Wiedersehen in Grenchen (Teil 1)

Kooperation (Was heißt das?)

„Wenn Sie mal wieder in der Schweiz sind, kommen Sie uns gern in Grenchen besuchen.“ – Was sich für mich wie eine typische Floskel und Verabschiedung auf der Baselworld 2016 anhörte, sollte sich schon bald als sehr ernstgemeint herausstellen. Nur kurze Zeit nach der Baselworld erhielt ich von einem Fortis-Mitarbeiter eine E-Mail mit der Frage, ob nicht ein Besuch und Gespräch mit Maximilian Spitzy, dem recht neuen Fortis-CEO, interessant sei. Die Kurzfassung: Es war interessant. Sehr sogar.

Der Grund dafür ist nicht, dass über diesem Artikel „Kooperation“ steht, sondern einfach die Tatsache, dass ich Ende der 90er Jahre ziemlich fixiert auf eine bestimmte Fortis-Uhr war. Damals volontierte ich in einer Agentur, die das Projekt „West in Space“ betreute. Und ein Kooperationspartner dieses Projekts war eben Fortis. Es ging um das Thema Raumfahrt und ein Kosmonautentraining im „Sternenstädtchen“ (aka Star City) Baikonur, das die Agentur organisierte und presseseitig begleitete. Übrigens: Die Stadt Baikonur und das Kosmodrom dort stehen für den größten Weltraumbahnof Russlands. Als Normalbürger konnte man sich nun für dieses Projekt bewerben und ein Kosmonautentraining inklusive Parabelflug gewinnen. Und wenn ich mich richtig erinnere, dann bekamen alle Finalisten eine limitierte Sonderedition der Fortis Official Cosmonauts (mit dem Werk Lemania 5100, Ref. 602.22.142, siehe unten). Ich kann Euch nicht sagen, wie sehr und gern ich diese Uhr gehabt hätte – limitiert oder unlimitiert. Natürlich konnte ich sie mir damals nicht leisten. Umso schöner also, dass ich eben diese Uhr – mittlerweile ein Vintage-Modell – auf der diesjährigen Baselworld wiedersah. Stilecht an einem Kosmonautenanzug. Mehr dazu auch hier.

Die Fortis Official Cosmonauts

Fortis Official Cosmonauts West in Space

Vintage und mittlerweile in meinem Besitz: Fortis Official Cosmonauts „West in Space“ – mit dem Lemania 5100 Werk und der 24-Stunden-Anzeige auf „12 Uhr“

Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich dieses Jahr ein weiteres Mal in die Schweiz fahren werde und eine weitaus ausgefallenere und seltenere Variante dieser Uhr sehen werde. Und zwar in Gold. Doch dazu später mehr.

Erst einmal ein paar Eindrücke vom Trip in die Schweiz – nach Grenchen:

Zu Besuch bei Fortis:

In der Lindenstraße in Grenchen angekommen, klingelte ich also an der Tür. Man öffnete und zeigte mir den Weg ins hauseigene Museum. Spätestens im Treppenhaus wird einem (vor allem als Uhrenblogger) klar, dass man viel zu wenig über Fortis und seine Geschichte weiß. Unzählige Fotos schmücken das alte und denkmalgeschützte Fortis-Gebäude. Fotos aus den Anfängen des Unternehmens, zig Auszeichnungen, Rekorde, weltbekannte Prominenz, Weltraum-Bilder, Raumstationen, Jets beim Überschallflug und eindrucksvollem Wolkenscheibeneffekt, Kampf- und Helikopterpiloten, Fliegerstaffeln… Name it.

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Im Laufe des Gespräches mit dem Sales & Marketing Director Andreas Bentele, der mich in der obersten Etage im Fortis-Museum begrüßte, erfuhr ich noch sehr viel mehr über die Geschichte dieses Unternehmens. Später kam noch Maximilian Spitzy hinzu, CEO von Fortis, der bei einem gemeinsamen Essen ebenfalls einige sehr unterhaltsame Anekdoten zu erzählen wusste.

Lasst es mich so sagen: Zum einen hätte ich nicht mit so vielen – wirklich interessanten – Geschichten gerechnet, zum anderen ist es unmöglich, die komplette Historie von Fortis hier wiederzugeben. Dazu ist sie zu  umfang- und kurvenreich. Doch bei allen „Ups & Downs“, betonen meine beiden Gesprächspartner immer wieder, dass Fortis als Uhrenmarke niemals vom Markt verschwunden sei. Man habe seit der Gründung 1912 bis heute durchgehend Uhren produziert. Im Gegensatz zu einigen anderen Uhrenherstellern, die während der Quarzkrise pleite gegangen und komplett von der Bildfläche verschwunden sind. Nur, um dann einige Jahrzehnte später – mit viel Geld und Marketing – als „Traditionsmarke“ wiederbelebt zu werden. Anders bei Fortis: Die mehr als 100 Jahre Historie seien echt und ohne eine Lücke im „Lebenslauf.“ Und darauf sind die Grencher stolz.

Fortis - zeigr.com in Grenchen (CH)-55

Wie gesagt, die gesamte und detaillierte Historie würde hier den Rahmen sprengen. Also mache ich es mir einfach – und Euch ebenso. Indem ich ein „Schon gewusst…?!“ daraus mache. Und das sieht so aus:

Schon gewusst, dass…

  • der Fortis-Gründer Walter Vogt hieß und das Unternehmen im Jahr 1912 – mit noch nicht einmal 30 Jahren – gründete
  • der Name „Fortis“ aus dem Lateinischen stammt und für „stark“ steht
  • der Uhrmacher und Erfinder John Harwood eine wesentliche Rolle in der Historie des Unternehmens spielte
  • Harwood 1924 die erste Automatikuhr (Hammerautomatik bzw. Hammeraufzug) erfunden hat (Patent-Nr. 106583)
  • Walter Vogt und John Harwood schon bald zusammenarbeiteten und 1926 die erste in Serie produzierte Automatik-Armbanduhr auf der der Baseler Messe (heute Baselworld) präsentierten
  • Rolex bzw. Hans Wilsdorf – Mr. Rolex himself – sich 1956 offiziell und öffentlich in einer Werbeanzeige bei Harwood entschuldigte
  • Denn: Rolex hatte zuvor damit geworben, die erste automatische Armbanduhr der Welt erfunden zu haben –  und das stimmte leider nicht ganz…
  • Fortis im Jahr 1956 die erste wasserdichte Armbanduhr mit Weckfunktion und Chronometer-Zertifikat namens Manager auf den Markt brachte
  • nach dem Tod von Walter Vogt im Jahre 1957, seine beiden Söhne das Unternehmen übernahmen
  • Fortis mit dem Modell „Flipper“ bereits 1967 die erste Schweizer Plastikuhr auf den Markt brachte – also weit vor Swatch und der Quarzkrise
  • in den frühen 80er Jahren die Flipper bei einigen Promis am Handgelenk zu sehen war: Unter anderem beim James-Bond-Darsteller Roger MooreRon Wood während der Rolling Stones Tournee 1982 und Leonard Bernstein während er die Westside Story dirigierte. Und: Max Headroom bekam eine eigene Edition
  • Fortis 1987 – zum 75. Firmenjubiläum – damit begann, jene Uhren zu produzieren, für die der Name heute geradezu ein Synonym ist: Flieger- und Pilotenuhren
  • Fortis für viele Fliegerstaffeln und Kunstflug-Formationen die erste Wahl ist, wenn es darum geht, ganze Teams mit Fliegeruhren in Kleinauflage und eigenem Logo auszustatten. So zum Beispiel die NATO AWACS zu ihrem 25-jährigem Bestehen oder das Schweizer PC-7 Team (Swiss Air Force)
  • Fortis-Uhren seit 1994 offizielle Ausrüstungsgegenstände für Kosmonauten sind. Die Uhren waren bei mehreren MIR-Missionen (bis 2001) und bis heute mehrfach auf der Internationalen Raumstation (ISS) dabei
  • das aktuelle Fortis Official Cosmonauts Modell bzw. die Modellreihe den Namen Fortis B-42 trägt (unten, links). Es gibt sie als Dreizeiger- und als Chronographen-Variante, jedoch mit einem wesentlich größeren Durchmesser (42mm) als das erste Modell aus den 90er Jahren (39mm, siehe oben)
  • dass der „Classic Cosmonauts Chronograph Ceramic“  (oben, rechts) die Neuauflage der 90er Jahre Official Cosmonauts ist – allerdings (noch) nicht im All war und ihm darum (noch) das Prädikat „Official“ fehlt
  • der weltweit erste Chronograph mit UTC/GMT-Funktion und mechanischem Alarm von Fortis stammt. Das Modell heißt Daybreaker und ist das aktuell teuerste Modell im Sortiment. Es soll vor allem zeigen, was die Uhrmacher aus Grenchen können
Daybreaker Stealth, 43 mm, Referenz: 703.10.11, Preis: ab 13.980 CHF (ca. 12.800 Euro).

Fortis Daybreaker Stealth, 43 mm, Referenz: 703.10.11, Preis: ab 13.980 CHF (ca. 12.800 Euro).

  • Fortis seit 2013 einen recht jungen und neuen CEO hat. Maximilian Spitzy, der das Unternehmen neu ausrichtet und das Fortis-Portfolio von einigem Ballast im Portfolio befreit hat. Zum Beispiel hat er das bestehende Sortiment von 123 Uhrenmodellen auf 49 reduziert – und vor allem erneuert. Neben den Fortis-Damenmodellen mussten auch einige Ausflüge in die Kunstwelt das Portfolio verlassen (mehr dazu hier)
  • dem neuen CEO Maximilian Spitzy ein sehr erfahrener Branchen-Insider zur Seite stand und steht – kein Geringerer als Ernst Thomke

Wie gesagt, die Auflistung ist damit noch lange nicht vollständig. Nur noch soviel: In der Fortis-Historie gibt es sehr viele Highlights – aber auch einige Lowlights. Zum Beispiel, findet Ihr bei der Google-Suche aktuell zwei Fortis-Websites… Eine hat ihren Sitz in Grenchen (www.fortis-swiss.com), die andere in Deutschland. Und so wie ich es verstanden habe, gibt es hier… nun ja, wohl eine Art Rechtsstreit und noch sehr viel Ungeklärtes. – Oder anders gesagt: Es scheint bei Fortis nicht alles rund gelaufen zu sein in den letzten Jahren – zumindest bevor man das neue Management eingesetzt hat. Und wie bei einem sich streitenden und kurz vor der Scheidung stehendem Ehepaar, möchte ich gar nicht so viele Details wissen oder hervorholen. Wollte aber zumindest Euch als Leser darauf hinweisen. Wer möchte, kann gern selbst recherchieren – sofern er denn etwas Verlässliches findet. Mich interessieren aktuell vielmehr die Uhren, das neue Management, seine Einstellung und die Zukunft dieser Marke. Und vor allem, ob Fortis die erste Official Cosmonauts als originalgetreues Retro-Modell neu auflegen wird – wozu ich natürlich bei meinem Besuch eindringlich geraten habe ;)

Doch zu all dem mehr in Teil 2 – Frischer Wind bei Fortis?

Linktipps – weitere Infos zur Historie findet Ihr hier:  

http://www.watch-wiki.net/index.php?title=Fortis

https://de.wikipedia.org/wiki/Fortis_Uhren

Und natürlich bei Fortis auf der Website: http://www.fortis-swiss.com/heritage/

Neu: Der Fortis Online-Store: : www.fortis-watchshop.com

Und wer nun Lust auf eine alte Fortis Cosmonauts bekommen hat, der kann unter anderem hier fündig werden (ebay-Partnerlink).

Theodossios Theodoridis

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