Eine Woche am Arm: Oris Divers Sixty-Five 42mm

Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Uhr auf Pressefotos, auf einer hektischen Uhrenmesse wie der Baselworld oder eine Woche am Arm erlebt. Als Uhrenblogger habe ich zum Glück ab und an die Möglichkeit, eine interessante Uhr – zumindest für kurze Zeit – testen und tragen zu dürfen. In diesem Fall waren es zwei Modelle, die es mir 2015 und 2016 auf der Baselworld angetan haben und nun dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt bekommen habe. Beide sind Taucheruhren und stammen aus der Reihe Oris Divers Sixty-Five. Das Auffällige: das aus den 60er Jahren stammende Retro-Design. Genauer: 1965. Nomen est Omen.

Oris Divers Sixty-Five im Test – nicht zu nerdig, nicht zu oberflächlich

Vielleicht eine wichtige Info vorab: Bei solchen Test geht es mir weniger darum, Uhren auf Ganggenauigkeit zu testen und bis in die letzten technischen (Un-)Tiefen des Uhrwerks vorzudringen und jedes dort verwendete Material aufzulisten und ausgiebig darüber fachzusimpeln. Das überlasse ich gern anderen: Uhrenmagazinen, Uhrmachern und Ingenieuren. Hier soll es in erster Linie um einen Gesamteindruck gehen, der Euch als Lesern bei der Entscheidung helfen soll, ob eine Uhr etwas für Euch ist – oder nicht. Kurzum: Das Ganze soll eine Art Ratgeber sein. Mein Anspruch dabei: Nicht zu nerdig, nicht zu oberflächlich.

Legen wir also los und schauen, ob meine zur Baselworld 2016 getroffene Aussage „Oris kann Vintage-Uhren“ auch beim genaueren Hinsehen standhält. Im Fokus steht das neueste Modell der Reihe Oris Divers Sixty-Five (42mm) – erhältlich ab Juni 2016. Die Uhr hat bei meinem inoffiziellem Best of Baselworld 2016 auf Instagram Platz 1 belegt. Die Erwartungen konnten also kaum höher sein.

Vintage-/Retro-Uhr – durch und durch

Wer zeigr.com regelmäßig liest, wird festgestellt haben, dass ich es meist vermeide, Uhren einfach nur zu beschreiben. Zumal Fotos diese Aufgabe in meinen Augen wesentlich besser erfüllen. Im Fall dieser Retro-Taucheruhr muss ich aber auf einiges hinweisen, weil sie diese Uhr ausmachen und für mich echte Highlights sind.

Dazu gehören unter anderem ein gewölbtes Saphirglas (auch als „domed“ bezeichnet), ein massives aber genietet anmutendes Armband und ein tiefdunkles Zifferblatt mit vanillefarbenem Leuchtmittel (Superluminova), das an gealtertes Tritium erinnert. Plus: Ein schmal zulaufendes Armband, das sich vom Bandanstoß mit 21mm auf  16mm an der Schließe verjüngt.

Warum ich das so ausdrücklich erwähne? Nun, weil es sehr gut zeigt, wie gewissenhaft sich Oris dem Thema Retro-Uhren annimmt und es dabei schafft, Vintage-Elemente mit dem heutigen Stand der Technik und den Wünschen von Vintage-Fans zu kombinieren. Oder anders gesagt: Oris weiß, was sich die potentielle Zielgruppe wünscht.

Etwas ausführlicher:

  • Früher waren „domed“ Uhrengläser aus günstigem und schnell zerkratzendem Kunststoff – die Oris Sixty-Five hat ein hochwertiges Saphirglas erhalten. Schönes und sinnvolles Update.
  • Genietete und sich verjüngende Armbänder waren früher aus Faltblech – sie waren leicht, leierten schnell aus und klapperten gern mal am Handgelenk (Träger von Vintage Rolex-Uhren kennen dieses Phänomen sehr gut). Diese Uhr hat eine massive und gut verarbeitete Adaption eines solchen genieteten Metallarmbands erhalten. Ebenfalls: Schönes und sinnvolles Update.
  • Die meisten Vintage-Fans lieben Uhren, deren Zifferblatt noch das Original-Leuchtmittel Tritium tragen – am liebsten in einem gelblichen Vanille-Farbton. Das schwach radioaktive Material wurde jedoch um die Jahrtausendwende verboten bzw. darf heute nur unter Auflagen in eine Uhr. Seitdem kommt vorwiegend Superluminova zum Einsatz. Der Nachteil: Es altert nicht so schön wie Tritium und bekommt mit den Jahren keine gelbliche Verfärbung. Also hat Oris das Leuchtmittel stilecht eingefärbt (nennt den Farbton jedoch „light old radium“ – was mich ein wenig wundert). Absolut simpel – aber so mancher Hersteller von Retro-Uhren kommt offenbar nicht auf diese Idee – oder liest einfach keine Uhrenforen.

 

Nun wird so mancher Vintage-Fan sich bei dieser Uhr und den oben aufgelisteten Reminiszenzen stark an eine Vintage Rolex Submariner wie z.B. die Rolex 5513 erinnert fühlen. Und obwohl sich Taucheruhren gern ähneln, stimmt es hier ein wenig mehr. Es gibt einige Ähnlichkeiten zu diesem „Prototypen einer Taucheruhr“ und dazu werde ich später noch einmal kommen.

Nichts für schmale Handgelenke – die Größe

Kommen wir nun zu dem größten Unterschied, im wahrsten Sinne des Wortes, im Vergleich zu Vintage-Uhren aus den 60er Jahren: den Durchmesser bzw. die Gehäusegröße. Ein Durchmesser von 42mm mag für Kenner nicht sonderlich groß klingen – liegt aber bereits 2-6mm über dem Durchmesser von Vintage-Uhren der damaligen Zeit.  Und ich kann Euch sagen, dass diese Uhr am Handgelenk wirklich – wirklich – sehr groß aussieht. Dazu tragen die circa 50mm Gehäusehöhe, die geringe Gehäusetiefe und ein großzügig dimensioniertes Zifferblatt und das Dome-Glas bei. Diese Uhr trägt sich sehr angenehm, aber in etwa so wie eine Uhr mit 43-44mm Uhr. Sie ist also eher nichts für schmale Handgelenke. Wer aber Zweifel hat, ob ihm 42mm bei einer Taucheruhr nicht zu klein sind – sollte diese Uhr erst anlegen, und dann sein Urteil fällen.

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Drei Zeiger und ein Datum – der Preis der Oris Divers Sixty-Five 42mm

Das Thema Preis ist bei Luxusuhren immer so ein Thema. Die hier getestete Oris Divers Sixty-Five mit Metallarmband liegt bei 2.050 Euro. Mit Textil-/Nato-Band gibt es sie für 1.850 Euro. Im Inneren schlägt das Werk Oris 733 auf Basis eines Sellita SW 200-1. Es soll dem ansonsten gern verwendeten und bewährten ETA 2824-2 in nichts nachstehen.

Nun ist es so, dass ich persönlich der Meinung bin, dass eine Uhr mit einem solchen Dreizeiger-Werk bei ca. 1.000 bis  1.250 Euro angesiedelt sein sollte. Wenn ich mir aber mir anschaue, wie viel Know-how, Liebe zum Detail und Aufwand Oris in diese Uhr gesteckt haben muss – und das merkt man wirklich bei jedem Tragen und jedem Blick auf die Uhr -, dann sind die oben genannten Preise vollkommen in Ordnung. Da gibt es ganz andere Kandidaten, die man für ihre Preisgestaltung rüffeln könnte. Und: Wir bewegen uns bei Oris bereits im Bereich der Luxusuhren – und diese Luxusuhr kann man sich durchaus noch leisten. Selbst dann, wenn man darauf sparen muss. (Und wer nicht unbedingt zum Juwelier oder Konzessionär gehen will, der kann natürlich auch auf ebay (Partnerlink) nach guten Angeboten und Preisen schauen. Sobald die Uhr eben erhältlich ist.)

Damit sind wir an dem Punkt angelangt, bei dem ich auf die oben erwähnte Ähnlichkeit zur Vintage Rolex Submariner zurückkommen wollte. Natürlich hat Oris hier ein eigenes Modell aus dem Jahr 1965 neu aufgelegt. Das Submariner-Design ist aber tatsächlich etwas älter – es stammt aus dem Jahr 1953. Doch wie gesagt, eine Taucheruhr sieht nun mal so aus. Das Design hat sich durchgesetzt und ist beliebt. Heute wie damals. Vielleicht ein passendes Beispiel aus dem Automobilbereich: SUVs sehen im Prinzip alle gleich aus bzw. unterscheiden sich – vom Design-Konzept – nicht maßgeblich. Dasselbe gilt wohl auch für (Vintage-)Taucheruhren.

Doch während es andere Uhrenhersteller nicht schaffen – oder nicht wollen -, ihre eigenen Design-Ikonen aus den 50er, 60er und 70er Jahren neu aufzulegen und eine nicht zu verachtende Zielgruppe zu erfreuen, hat Oris es einfach mal gemacht. Und das sehr gut. Zumindest ist das mein Fazit.

Und wer nun unbedingt meint, dass für ihn nur das „Vintage-Original vom Original“ in Frage kommt: Vollkommen legitim und nachvollziehbar. Der sollte sich aber vor Augen führen, dass er für eine Vintage Rolex Submariner 5513 mit mindestens 5.000 bis 6.000 Euro rechnen muss. Für weniger als die Hälfte bzw. ein Drittel bekommt er mit der Oris hingegen eine sehr gelungene Retro-Taucheruhr. Zudem bekommt er diese Uhr neu, ungetragen und als Original – was man von vielen Vintage Rolex Submariner Angeboten leider nicht behaupten kann. (Wen das Thema Design-Zitate, Hommage & Co. weitergehend interessiert – hier ein Artikel dazu.)

Gibt es nun an der Oris Divers Sixty Five gar nichts zu bemängeln? Doch, mit Sicherheit findet der eine oder andere Uhren-Nerd etwas, woran er sich stören kann. Ein zu großes Logo zum Beispiel. Oder, dass die Uhr „nur“ bis 100 Meter wasserdicht ist – statt waschechten 300 Metern. Die Datumsanzeige hätten sicherlich auch einige Spezialisten lieber in Schwarz statt Weiß – und das Datumsfenster lieber rechteckig statt asymmetrisch. Doch all das sind persönliche Befindlichkeiten. Man liest oft solche und ähnliche Einwände immer wieder in Uhrenforen. (Und oft denke ich: Baut Euch doch Eure eigene Uhr – und schweigt einfach.)

Ein Einwand jedoch, den ich sehr gut nachvollziehen kann, ist die Größe dieser Uhr. Der Wunsch nach einer kleineren Variante, zum Beispiel mit 40mm Gehäuse Durchmesser, ist durchaus nachvollziehbar. Denn auch mir war sie etwas zu groß. Da Oris eine solche Variante (noch) nicht im Programm hat, hier eine Alternative aus dem eigenen Haus.

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Oris Divers Sixty-Five – die kleine Alternative: 40mm

Für diese Uhr gilt im Prinzip alles, was ich oben bereits ausgeführt habe. Sehr gute Verarbeitung, durchdachtes Vintage-Design von Gehäuse und Zifferblatt, ein gewölbte Saphirglas. Und auch bei dieser Uhr wirkt der Durchmesser von 40mm größer als man es erwarten würde – es sind gefühlt eher 42mm, die man sich hier ums Handgelenk bindet. Die Oris Divers Sixty-Five kam bereits 2015 auf den Markt und ist mittlerweile in verschiedenen Varianten erhältlich, sowohl was das Zifferblatt auch als das Armband angeht. Man bekommt sie offiziell ab einem Preis von 1.700 Euro – oder eben etwas günstiger auf ebay (Partnerlink).

Damit soll der beschreibende Teil beendet sein. Nur so viel: Auch diese Uhr kann ich guten Gewissens empfehlen. Vorausgesetzt natürlich, dass einem das recht eigene Vintage-Design des Zifferblatts gefällt. Auf jeden Fall kann man dieser Uhr nicht nachsagen, dass sie einer Vintage Rolex ähnelt. Aber lassen wir nun die Fotos sprechen:

Und hier noch ein paar Daten – die Oris Divers Sixty Five 42 im Überblick:

Gehäuse: Oris Divers, 42,00 mm, Edelstahl

Uhrwerk: Automatischer Aufzug, Datum

Zifferblatt: Blau

Armband: Edelstahl

UVP 2.050,00 EUR

Referenz: 01 733 7720 4055-07 8 21 18

Im Detail: 

Material: Mehrteiliges Edelstahlgehäuse, Lünette mit Minutenskala

Grösse: 42,00 mm

Glas: Saphir, beidseitig gewölbt, Innenseite entspiegelt

Gehäuseboden: Edelstahl, verschraubt

Bedienung: Edelstahl-Sicherheitsschraubkrone

Wasserdichtigkeit: 10 bar

Hornabstand: 21 mm

Kaliber: Oris 733, Basis SW 200-1

Abmessungen: Ø 25.60 mm, 11 1/2’’’

Funktionen: Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger aus der Mitte, Fensterdatum, augenblicklicher Datumswechsel, Datums-Korrektor, Feinregulierung und Sekunden-Stopp

Aufzug: Automatischer Aufzug, beidseitig aufziehender roter Rotor

Gangreserve: 38 Std.

Frequenz 28.800 A/h, 4 Hz

Lagersteine: 26

Material: Blaues Zifferblatt

Leuchtstoff: Indexe und Zeiger Superluminova light old radium

Material: Edelstahl-Gliederband, Faltschliesse

Und noch ein paar weitere Daten – die Oris Divers Sixty Five 40 im Überblick:

Gehäuse: Oris Divers, 40,00 mm, Edelstahl

Uhrwerk: Automatischer Aufzug, Datum

Zifferblatt: Schwarz

Armband: Kautschuk

UVP 1.700,00 EUR

Im Detail: 

Grösse: 40,00 mm

Glas: Saphir, beidseitig gewölbt, Innenseite entspiegelt

Gehäuseboden: Edelstahl, verschraubt

Bedienung: Edelstahl-Sicherheitsschraubkrone

Wasserdichtigkeit: 10 bar

Hornabstand: 20 mm

Kaliber: Oris 733, Basis SW 200-1

Abmessungen: Ø 25.60 mm, 11 1/2’’’

Funktionen: Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger aus der Mitte, Fensterdatum, augenblicklicher Datumswechsel, Datums-Korrektor, Feinregulierung und Sekunden-Stopp

Aufzug: Automatischer Aufzug, beidseitig aufziehender roter Rotor

Gangreserve: 38 Std.

Frequenz: 28.800 A/h, 4 Hz

Lagersteine: 26

Material: Schwarzes Zifferblatt

Leuchtstoff: Indexe und Zeiger Superluminova light old radium

Material: Schwarzes Kautschukarmband, Edelstahlschliesse

Referenz: 01 733 7707 4064-07 4 20 18

Zum Schluss noch ein paar Pressefotos der beiden Oris Divers Sixty Five: 

Theodossios Theodoridis

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