Squale 50 Atmos: Vintage Vanilla – der Duft der (Taucher-)Uhren

Es passt irgendwie nicht zusammen. Taucheruhren gehören zu den männlichsten Uhren, die man sich ans Handgelenk binden kann. Groß, robust, im besten Fall tiefseetauglich. Und ausgerechnet diese Uhren riechen manchmal… süßlich. Nach Vanille.

Zumindest dann, wenn ein (Natur-)Kautschukband an ihnen befestigt ist. Es galt offenbar mal als Qualitätsmerkmal und Erkennungszeichen guter Bänder und entsprechend guter Uhren. Grund für die Vanille-Beimischung: der Geruch des Naturkautschuks. Er soll damit gemildert werden.

Doch das hat sich heute wohl erledigt. Einige Hersteller springen auf den Qualitätszug auf und verpassen ihren Bändern ebenfalls diesen Geruch – obwohl der verwendete (günstigere) Kunststoff dies wahrscheinlich nicht einmal braucht. Ein wenig Täuschung ist schon dabei. Und mitunter ist der entweichende Vanilleduft dieser Nachahmer-Bänder sehr unangenehm. Letztendlich ist das aber auch Geschmacks- und Geruchssache.

Vintage-Taucheruhr im Neuzustand – Squale 50 Atmos 

Eine geschmackvolle Vertreterin der etwas besseren Taucheruhren ist die Squale 50 Atmos (Ref. 1521-026). Und das nicht nur, weil das eigens für Squale gefertigte Naturkautschukband von Bonetto Centurini angenehm nach Vanille riecht. Sondern vielmehr, weil diese Uhr mindestens ein halbes Dutzend gute Gründe liefert, sie sich an den Arm zu binden. Und nur sehr wenige, es zu lassen.

Vorab: Diese Uhr ist nichts für Poser. Weder was den Preis noch das Design angeht. Sie ist nichts für verhaltensauffällige Träger von Hublot, Audemars Piguet und den anderen wichtig-wuchtig und futuristisch designten Uhren. Bei der Squale 50 Atmos handelt es sich vielmehr um eine mechanische Vintage-Taucheruhr, die man zu einem moderaten Preis und im Neuzustand erwerben kann – zusammen mit einer jahrzehntelangen und spannenden Geschichte. Für weit unter 1.000 Euro. Und das will heutzutage in der Uhrenwelt schon etwas heißen.

Wer sich für die Squale-Historie interessiert, der kann sie bei den Kollegen von worn & wound nachlesen. Hier ist mir die Marke 2012 zum ersten Mal begegnet. Zwei Jahre später hat sich auch Hodinkee damit befasst. Und das deutschsprachige Blog „Dive (into) Watches“ hat sich ebenfalls mehrfach dem Thema gewidmet – u.a. in diesem Artikel, der offenbar aus 2008 (!) stammt. Und natürlich erzählt auch Squale die eigene Geschichte.

Es macht wenig Sinn, die komplette Historie noch einmal mit anderen Worten wiederzugeben. Darum nur die wichtigsten Informationen:

 

  • Squale hat Taucheruhren-Geschichte (mit-)geschrieben – auch wenn heute kaum jemand die Uhren kennt.
  • die Uhrenmarke mit dem Hai (squalo – ital. Hai) hat für einige namhafte Hersteller produziert.
  • das Hai-Logo galt bei Taucheruhren als Qualitätsmerkmal. Kleinere Uhrenmarken druckten es zusätzlich  auf ihr Zifferblatt – größere ließen es weg (vergleichbar mit Spirotechnique, siehe auch diese interessante Spirotechnique/Squale-Variante, Quelle: Calibre 11).
  • ihre Hoch-Zeit hatte die Marke in den 60er bis 80er Jahren.
  • Squale ist eng verbunden mit dem Namen Charles von Büren. Das charakteristische Gehäuse der 50 Atmos mit der Krone auf der „4“  gilt als „von Büren-Gehäuse“ und die Krone ist (laut Hersteller) mit dem „von“-Logo versehen.

 

Kommen wir also dazu, warum ich sofort auf die Squale 50 Atmos angesprungen bin: Sie sieht einer circa 30 Jahre alten Uhr aus meiner Sammlung äußerst ähnlich – der Heuer 1000 Metres Professional (Ref. 980.023). Und das ist kein Zufall. Wie gesagt, Squale hat für einige namhafte Hersteller Gehäuse produziert – die Firma Heuer, bis Mitte der 80er noch ohne TAG im Logo, hat wohl dazugehört. Und meine Begeisterung für diese Uhr ist damit schnell erklärt: wenn ich die Heuer gut finde, dann ist der Schritt zur Squale nicht mehr weit.

Hier einige Bilder der beiden Uhren im Vergleich:

Übrigens gehört die Heuer zu den wenigen Uhren, deren Quarzwerk mich nicht ansatzweise stört.

Heuer 1000 metres professional

Wer sich mehr Hintergrundwissen zu diesen Vintage-Taucheruhren aneignen möchte, dem empfehle ich unbedingt diese beiden Artikel bei Heuerville und Calibre 11.

Und nun die Gründe warum man sich diese Uhr, die schwarze PVD-Variante, die „super matte“ (leider ausverkauft) oder eine andere Variante ans Handgelenk binden sollte:

  • Du magst Vintage-Design, Tradition und Historie – möchtest aber keine alte, gebrauchte Uhr tragen? Die 50 Atmos ist Deine Uhr – sie ist gewissermaßen eine „alte Uhr“ im Neuzustand.
  • Dir ist ein gewisses Understatement wichtig – Markennamen komplett unwichtig
  • Du stehst auf Schweizer Qualität und Mechanik*
  • Oder anders: die 50 Atmos ist eine Schweizer Taucheruhr mit mechanischem Werk für weit unter 1.000 Euro. Und in der Kombination Design und Preis-Leistungsverhältnis kann selbst eine DAVOSA Argonautic (Platz 1 der Uhrenwahl 2014) nicht mithalten
  • Du magst den Vanille-Geruch des (jederzeit austauschbaren) Kautschukbandes
  • das satte und präzise Klicken der erstaunlich griffigen Lünette
  • der Preis

Die Gründe, die –  eventuell – dagegen sprechen könnten:

  • Du bist Vintage-Sammler – und nur Vintage-Sammler. Neue Uhren kommen Dir nicht ans Handgelenk. Dann wirst Du wohl zu der Heuer 1000 Metres Professional greifen müssen – auch eine gute Wahl.
  • Du kannst mit dem Vintage-Design einfach nichts anfangen. Deine Uhren müssen futuristisch und wie Aliens am Handgelenk aussehen.
  • die Uhr hat keinen Markennamen, das stört Dich – es muss schon Rolex, Omega oder etwas Adequates draufstehen.
  • das eingravierte Squale-Logo auf der Gehäuseseite (bei der „9“) stört Dich so sehr, dass Du deswegen nachts nicht schlafen kannst. (Aber im Ernst: Ein Kritikpunkt, der nicht ganz unerheblich ist.)
  • eine Krone, die asymmetrisch auf der „4“ sitzt, weckt Deinen inneren Monk. Auch hier: Du kannst deswegen nachts nicht schlafen.
  • der Vanille-Geruch des Armbandes stört Dich und Du kannst Dir nicht im Ansatz vorstellen, das Band gegen ein anderes auszuwechseln.

Oder um es anders zu sagen: Schaut Euch die Uhr im „Real Life“ an. Wenn sie Euch begeistert, dann lautet meine Empfehlung: zugreifen. Denn wer weiß, ob nicht auch Squale irgendwann dem Größen- und Preiswahn verfällt, den wir schon bei anderen Uhrenherstellern beobachten konnten… Ich wünsche mir sehr, dass diese Marke bei ihrer moderaten Preispolitik bleibt. Einige limitierte Auflagen einmal ausgenommen.

Ich selbst hätte übrigens gern bei der „50 Atmos super matte“ zugeschlagen. Zum ersten Mal ist sie mir auf der Baselworld 2014 begegnet.

Squale @ Baselworld 2014

Squale @ Baselworld 2014

Die Chance habe ich leider verpasst. Falls jemand von Euch eine hat – er darf sich gern mit einem vernünftigen Preisvorschlag bei mir melden.

Vom Uhrenhändler Page & Cooper, der eng mit Squale zusammenarbeitet und diverse Sonderauflagen herausbringt, gibt es ein schönes Video dazu inkl. einer kurzen  Zusammenfassung der Squale-Historie:

Und hier noch einige Bilder aus der Kategorie „Nightwatch“. Beim Fotografieren fiel mir auf, dass der Leuchtpunkt auf der Lünette etwas schwächer ist und schneller seine Leuchtkraft verliert als die Zeiger und das Zifferblatt. Hier darf gern optimiert werden – das dürfte auch im Sinne jedes Tauchers sein.

Zum Schluss:

Die harten Daten & Fakten – Squale 50 Atmos im Überblick (Herstellerangaben): 

Squale 1521-026 oder Squale 50 Atmos, klassische Taucheruhr von Squale mit dem berühmten und charakteristischen „von Büren“ Gehäuse.

Klassiker aus den 70er Jahren mit Details wie Säuregravierung des Gehäusebodens und einer verschraubten Krone mit „VON“- Logo, ein Verweis auf die Gründer der Marke Squale „von Büren S.A. / Montres“ (Neuchâtel ,Schweiz). Ausgestattet mit beidseitig entspiegeltem Saphirglas für optimale Ablesbarkeit.

  • wasserdicht bis 500 m / 50 Atm.
  • ETA 2824-2 – Schweizer Automatikwerk
  • Gangreserve 38-40 Stunden
  • Datumsanzeige
  • 316L Edelstahlgehäuse hochglanzpoliert
  • Durchmesser 42 mm
  • Gehäusehöhe 13 mm
  • Verschraubter Boden mit Säuregravierung
  • Verschraubte Krone
  • Signierte Krone mit „VON“ Logo
  • Einseitig drehbare, einrastende Lünette mit 60 Klicks
  • Flaches Saphirglas beidseitig entspiegelt
  • Stark leuchtende Indexe und Zeiger
  • Leuchtmittel Super Luminova
  • 20 mm Kautschukband mit signierter Schließe
  • Swiss Made
  • Squale Box und Papiere

Armband-Varianten :

  • Milanaise Band
  • Kautschukband schwarz
  • Kautschukband orange
  • Kautschukband gelb
  • Kautschukband blau
  • PVD Milanaise Band (schwarz)

Preis: ab 679 Euro 

http://www.squale.de

Hinweis: Die zur Verfügung gestellte 50 Atmos ging an den Hersteller wieder zurück (Dank an dieser Stelle an Lennart von Squale). Dieser Artikel ist in keiner Weise gesponsert. So wie alle bisherigen Artikel in diesem Blog – andernfalls würde und werde ich darauf hinweisen.

*Anmerkung: Die zur Verfügung gestellte Uhr hatte einen überdurchschnittlichen Vorgang von mehr als nur ein paar Sekunden am Tag. Dazu muss man aber sagen, dass sie nicht getragen und nur in einer Lage „geprüft“ wurde. Im Alltag und beim bewegten Tragen kann dies variieren bzw. sich einpendeln. Sollte hier nicht unerwähnt bleiben. Und: Eine vorgehende Uhr ist – auch aus technischer Sicht – immer besser als eine nachgehende. 

Theodossios Theodoridis

5 Comments

  1. „Du bist Vintage-Sammler – und nur Vintage-Sammler. Neue Uhren kommen Dir nicht ans Handgelenk. Dann wirst Du wohl zu der Heuer 1000 Metres Professional greifen müssen – auch eine gute Wahl.“

    Wieso eigentlich? Die Squale 50 Atmos gibt es auch gebraucht. Ist aber ebenso rar wie eine Heuer 1000.

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