Uhren-Tipp: Die Quarzuhr – was darf sie kosten? Welche kaufen? (Teil 3 – Junghans 1972)

Junghans 1972 Chronoscope - Quarzuhr -1

Kommen wir nun zum teuersten Uhren-Tipp in dieser Quarzuhren-Artikelreihe (Teil 1 & Teil 2) – zur Junghans 1972 Chronoscope. Es gibt mehrere Gründe, warum ich Euch diese Uhren vorstellen möchte. Zum einen ist es das schöne 70er Jahre Chronographen-Design, das mich unter anderem an alte Heuer-Chronos erinnert. Zum anderen verweist Junghans mit diesen Uhren auf die Olympischen Spiele des Jahres 1972 – übrigens mein Geburtsjahr. Und last but not least: Im August dieses Jahres beginnen die Olympischen Spiele in Rio. Gefühlt jeder zweite Uhrenhersteller springt auf diesen Zug auf. Mal mehr, mal weniger glaubwürdig. Bei einigen Marken würde ich sogar ein fragwürdig bis erzwungen hinzufügen.

Immerhin: Junghans darf sich als offizieller Zeitnehmer der Olympischen Spiele 1972 bezeichnen. Und die nach diesem Jahr benannte Chronoscope-Reihe mit Quarzwerk basiert auf den damaligen (Zifferblatt-)Designs. Noch viel wichtiger: Bei diesen Spielen setzte man mit Junghans komplett auf die elektronische Zeitmessung (also Quarz) und Lichtschranken – statt auf handgestoppte Zeiten mit mechanischen Uhren. Denn die sind nur bedingt geeignet für eine exakte Zeitmessung, wenn es um Hundertstelsekunden geht. Mehr zu diesem historischen Bezug erfahrt Ihr hier.

Sportlicher Preis oder gerechtfertigt? – Junghans 1972 Chronoscope

Wie schon oben erwähnt: Diese Uhren sind – zumindest für Quarzuhren –  nicht gerade günstig. Sie liegen zwischen 550 und 750 Euro – je nachdem, ob man sich für das teurere Solar-Modell mit Metallband (unten links) entscheidet oder die „normale“ Quarz-Variante mit Lederband (unten rechts).

Zum Vergleich: Dafür bekommt man bei Junghans und anderen Herstellern schon sehr schöne mechanische Uhren – zum Beispiel aus der Junghans max bill Reihe (nicht die Chronos, aber die Dreizeiger-Varianten).

Doch ich möchte auch ein paar Gegenargumente bringen: Der Vergleich oben stimmt natürlich, aber einen neuen mechanischen Chronographen in dieser Qualität und mit diesem Design bekommt man dafür eher nicht. Und ich muss sagen: Die Uhren machen einen sehr guten und massiven Eindruck. Ihr könnt Euch sicher sein, dass diese Chronos, sollten sie jemals als mechanische Varianten auf den Markt kommen, mindestens 1.500 Euro bis 2.000 Euro kosten würden. In etwa die Preislage, die Junghans aktuell bei seinen mechanischen Chronoscope-Modellen aufruft (siehe auch hier). Wer also ein Hardcore-Mechanik-Purist ist und unbedingt mehr für eine solche Uhr zahlen möchte, der kann dies natürlich bei Junghans und einigen anderen Herstellern tun. Wer aber unter 1.000 Euro bleiben und einen wirklich soliden und gut verarbeiteten 70er Jahre Retro-Chronographen sucht, der sollte sich diese Modelle auf jeden Fall einmal live anschauen.

Noch zwei Sachen, die mir aufgefallen sind: Trotz der Größe von 43,3mm lassen sich diese Uhren gut tragen und wirken selbst am schmalen bis normalen Handgelenk nicht übertrieben wuchtig. Was ich jedoch nicht verstanden habe: Warum man bei einigen Modellen ein schönes und gelochtes Rallye-Lederband  einsetzt – die Löcher aber wieder mit einer grauen Textileinlage verschließt (siehe Bild unten). Meines Wissens sind Rallye-Armbänder durchgängig gelocht, damit sie etwas „luftiger“ sind und weniger zur Transpiration beitragen… Irgendwie folgt hier Design nicht mehr der Funktion, oder? Nun gut, notfalls kann man das Band ja jederzeit tauschen – oder gleich zum Metallband greifen.

Junghans 1972 Chronoscope - Quarzuhr -3

 Fazit:  Junghans 1972 Chronoscope 

Ja, bei diesen Quarzuhren muss man etwas tiefer in die Tasche greifen. Dafür bekommt man aber einen durchaus wertigen Chronographen, der es rein äußerlich und von der Verarbeitung ohne weiteres mit doppelt bis dreifach so teuren mechanischen Chronos aufnehmen kann. Mal abgesehen davon, dass der Normalbürger eh nicht den Unterschied zwischen Quarz- und Mechanik-Modell erkennt. Plus: Ihr könnt zwischen einem „normalen“ Junghans 1972 Chronoscope  (Totalisatoren/Hilfszifferblätter sind horizontal angeordnet) und einem technisch aufwendigeren Solar-Modell (Totalisatoren/Hilfszifferblätter vertikal) wählen. Übrigens haben alle Modelle ein kratzfestes Saphirglas – ebenfalls ein Qualitätsmerkmal. Und dass ich Fan von Uhrengehäusen in Kissenform bin, habt Ihr ja schon im zweiten Teil feststellen können. Für mich ist das nahezu immer ein Pluspunkt bei einer Uhr. Deswegen haben sie es auch in diese Quarzuhren-Auswahl geschafft.

Junghans 1972 Chronoscope – ein paar Daten & Fakten 

Gehäuse: Edelstahl, einseitig arretierbare Lünette, verschraubter Gehäuseboden, Ø 43,3 mm, Höhe 11,3 mm, Saphirglas, wasserdicht bis 100m (10 bar)

Die Werke: 

Kaliber J645.82 – Quarzwerk Chronograph mit 1/5 Stoppsekunde Stoppzeit 60 Minuten

Kaliber J645.83 – Quarzwerk – Chronograph mit 1/5 Stoppsekunde und 24h Anzeige Stoppzeit 60 Minuten

Solar-Modelle: 

Kaliber J622.10 – Quarz Solaruhr, Dunkelgangreserve bis zu 4 Monate

Kaliber J622.50 – Quarz Solar­ Alarm ­Chronograph mit 1/5 Stoppsekunde und Alarm Dunkelgangreserve bis zu 6 Monate

Und nun noch ein paar Fotos der beiden mir zur Verfügung gestellten Modelle (Ref. 041/4261.00 & 014/4202.44). Danke an Junghans und an das Puma PR-Team in Hamburg, dass ich mich im Showroom einfach mal bedienen und diese Fotos machen konnte:

Quarzuhren – das Fazit-Fazit: 

Bei Quarzuhren bin ich wirklich zwiegespalten. Einerseits finde ich es grotesk, für solche Uhren mehr als 100 Euro auszugeben. Ganz einfach deshalb, weil gefühlt 90% aller Quarzuhren dies einfach nicht wert sind. Weder was die Technik, das Design noch die Verarbeitung und die Materialien angeht. Und dann gibt es noch diese 10%, bei denen man merkt, dass sich die Hersteller wirklich Gedanken gemacht haben, um eine vernünftige (Quarz-)Uhr auf den Markt zu bringen. Ich hoffe, dass ich Euch mit den drei in dieser Artikelreihe vorgestellten Uhren bzw. Modellreihen ein paar gute Tipps geben konnte. Natürlich gibt es noch weitere Hersteller, die in ähnlichen Preiskategorien Uhren produzieren. Hier kann sich gern jeder selbst auf die Suche machen.

Was ich aber auf keinen Fall machen würde: Mir eine Quarzuhr in einer Preiskategorie von über 1.000, 2.000 Euro oder sogar im fünfstelligen Bereich kaufen. Ja, leider gibt es so etwas – und sogar von sehr namhaften Herstellern. Ganz ehrlich, für das Geld bekommt Ihr ganz andere und viel bessere (mechanische) Uhren. In diesem und vielen anderen Uhren-Blogs findet Ihr genügend Anregungen und Tipps. Und wenn man sich für einen namhaften Hersteller entscheidet, dann sollte man unbedingt auch deren Vintage-Modelle in Betracht ziehen. Zum Beispiel habe ich in Sachen Wertsteigerung sehr gute Erfahrungen mit alten Omega Seamaster Quartz-Modellen gemacht. Die haben sich preislich in den letzten Jahren locker verdoppelt bis verdreifacht – bei den neuen und aktuellen Modellen bezweifle ich eine solche Preisentwicklung stark. Wer also nach solchen Vintage-Quarzuhren schauen möchte – hier entlang (ebay-Partnerlink). Ihr könnt hier tatsächlich noch einige Schnäppchen machen. Unter 300 Euro sollte – je nach Modell – aktuell kein Problem sein.

Und für diejenigen, die einen Preis von über 200 Euro für eine Quarzuhr zu teuer finden, habe ich noch zwei Tipps: Zum einen diesen zeigr.com-Artikel und noch eine weitere Uhrenmarke, die mir während des Schreibens einfiel und einiges richtig macht. Die Rede ist von Nixon. Das sind zwar auch Modeuhren – die Leute dort haben aber ein recht gutes Gespür für Design und eine vernünftige Preisgestaltung. Natürlich gilt das nicht für alle Modelle – ein paar Highlights sind aber dabei. Wer ein wenig auf ebay stöbern möchte – hier entlang (Partnerlink). Mir persönlich haben es unter anderem die zahlreichen Varianten der Time Teller irgendwie angetan. Es gibt sogar eine offizielle Darth-Vader-Version. Schaut einfach selbst.

Soweit also meine Quarzuhren-Tipps. Wenn Ihr noch welche habt, dann schreibt sie gern in die Kommentare.

Theodossios Theodoridis

3 Comments

  1. Bei Junghans zahlt man eben für Qualität und das sollte einem die Uhr auch wert sein. Ich denke wenn man sich in einem Budget von 500-1000 Euro für eine Uhr bewegt, dann möchte man ohnehin nicht das günstigste Modell oder das mit dem besten Preis-Leistung-Verhältnis, sondern jenes, das einem gefällt. Ich hab mir gerade wieder die neuen Junghans-Modelle durchgesehen und muss sagen ich bin seit meinen jungen Jahren begeistert von der Marke, da lässt die Eleganz nicht nach!

    • Diese Uhren sind nicht mein Fall, trotz der Qualität von Jungahs überzeugt mich das Design nicht. Aber ansonsten ist die Uhr für den Preis ein toller Hingucker für Liebhaber.

  2. Ja Junghans-Uhren kosten meistens ein Schweine Geld, spreche da aus eigener Erfahrung. Drum bin ich dann zu Uhren von Casio übergegangen. Die sind meistens nicht ganz so teuer wie Junghans-Uhren.

    liebe Grüße Andi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.