Lustobjekte: 5 Gin-Tipps & Empfehlungen für kultiviertes Trinken

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Lustobjekt – Gin.

Vorab: Nein, ich bin kein Gin-Hipster. Und nein, ich habe Gin nicht erst in den letzten zwei bis drei Jahren entdeckt und rede nun klug daher. Und nochmals nein: Nicht jeder gehypte Gin schmeckt mir.

Was aber auf mich zutrifft: Ich probiere gern aus und bilde mir ein eigenes Urteil – und das seit rund 10 Jahren in Sachen Gin (klingt merkwürdig in diesem Kontext, ich weiß). Manches davon trifft zufällig den Hype, manches überhaupt nicht. In diesem Artikel werdet Ihr also lesen, wie ich persönlich dieses und jenes in  Sachen Gin einschätze.

Davon soll nichts dogmatisch sein – sondern einfach nur empfehlend und hoffentlich einen etwas anderen Blick auf dieses leider zu stark gehypte Thema werfen. Es fängt mit meinen persönlichen Gin-Favoriten an und endet mit dem  Thema, woran ich eine gute Bar bzw. einen guten Barkeeper ausmache. Denn hier gibt es leider viel Firlefanz und Chichi, die sich nach meinem Empfinden schnell und leicht enttarnen lassen.

Doch fangen wir mit den 5 Gin-Tipps an. Keine Bange, ich werde nun nicht vollmundig daherreden und blumig irgendwelche absurden Geschmacksrichtungen ins Getränk hineinreden (die nicht enthalten sind), nur um „sophisticated“ daherzukommen. Das überlasse ich den selbsternannten Experten und dem Marketing der Spirituosen- und Weinbranche. Vielmehr gibt es kurz und unaufgeregt die wichtigsten Infos und Eindrücke zum jeweiligen Gin. Und noch etwas: Die meisten empfohlenen Gins kommen zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis daher. Sie liegen alle – teilweise weit – unter 30 Euro. Mehr muss ein guter Gin auch nicht kosten.

Der Exot: Darnley´s View Spiced

Dieser Gin trägt nicht ohne Grund die Bezeichnung Spiced. Er enthält ganz einfach mal ein paar Gewürze. Unter anderem Zimt, Muskat, Kreuzkümmel und Koriander. Dessen muss man sich bewußt sein, wenn man ihn probiert. Die Gewürze sind nicht übertrieben dominant, aber eindeutig zu schmecken. Als ich ihn das erste Mal vor ein paar Jahren trank, war er eine kleine Offenbarung. Eben weil er so anders ist. Mittlerweile habe ich diesen Gin mindestens einem Dutzend Freunden & Bekannten empfohlen. Bis auf ein einziges Mal war das Feedback immer sehr positiv. Eine ganz gute Quote für diesen Exoten. Der Darnley´s View Spiced ist und bleibt einer meine All-Time-Favorites. Preis: Er kostet im Handel um die 25 Euro und hat 42,7 Prozent.

Oder Ihr kauft ihn online: Darnley´s View Spiced auf Amazon (Partnerlink)

Mehr zu diesem Gin: www.darnleysview.com

Der Straighte: Broker´s 


Der Broker´s macht es einem einfach. An der Flasche hängt ein Zettel, der ihn als einen der besten Gins der Welt ausweist. Das ist natürlich Marketing. Und wer weiß, wie die vermeintlich objektive Bewertung auf dem Zettel (ähnlich wie bei Weinen) zustande gekommen ist. Doch eines ist sicher: Dieser Gin ist ein ziemlich guter und straighter London Dry Gin – so wie er sein muss. Ohne Wenn und Aber. Absolut konsequent. Mehrfach ausgezeichnet. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Außer: Dass man ihn im Handel um die 16 Euro (40%) bzw. 20 Euro (47%) bekommt.

Oder: Broker´s Gin auf Amazon (Partnerlink).

Mehr zu diesem Gin: www.brokersgin.com

Der Ursprüngliche: Hayman´s Old Tom

 

Foto: amazon/Hersteller – Partnerlink

Dieser Gin schmeckt leicht süsslich – nicht übertrieben, aber spürbar. Der Grund: Gin ist aus der Spirituose Genever hervorgegangen. Und ein Old Tom ist eben jene frühe Gin-Form, auf die der London Dry Gin folgte. Wer es also etwas entspannter bzw. milder angehen möchte, der trinkt diesen „alten“ Gin. Er ist ziemlich gut für Einsteiger geeignet. Mir persönlich schmeckt der Old Tom von Hayman´s am besten. Ihr bekommt diese Gin-Variante aber auch von anderen Herstellern (z.B. Tanqueray). Den Hayman´s Old Tom habe ich nahezu immer im Haus – er ist einer meiner All-Time-Favorites. Preis: Ihr bekommt diesen Gin im Handel um die 20 Euro (40%) – manchmal sogar weniger.

Oder hier: Hayman´s Old Tom auf Amazon (Partnerlink)

Mehr zu diesem Gin: haymansgin.com

Der Unterschätzte: Greenall´s

Vor einigen Jahren sah ich den Greenall´s in einer kleinen Bar im Hamburger Schanzenviertel. Das war erstaunlich, denn die meisten Bars haben diesen Gin nicht auf dem Zettel. Sie konzentrieren sich mehr auf stark gehypte Gins wie Monkey 47, Hendricks & Co. Als ich den Barkeeper darauf ansprach, meinte er, der Greenall´s sei einer der unterschätztesten Gins überhaupt. Zehn mal besser als Gordon´s Gin – jedoch zum selben Preis. Und das kann ich so unterschreiben. Die Legende besagt außerdem, dass er dieselbe Rezeptur wie der Bombay Sapphire White Label gehabt haben soll. Wer mag, kann das im Netz genauer recherchieren. Preis: Den Greenall´s Dry Gin bekommt Ihr im Handel um die 16 Euro (40%) – jedoch in der 1 Liter Flasche (statt der üblichen 0,7 Liter). Das ist mehr als fair.

Und hier bekommt Ihr ihn: Greenall´s Dry Gin auf Amazon (Partnerlink)

Mehr zu diesem Gin: greenallsgin.com

Der Harte: Cadenhead´s Old Raj (55%)


Und zum Schluss ein Gin, den ich eher zum Ende eines Gin-Abends trinke. Der Grund: Danach sollte man wirklich nicht mehr weitertrinken. Die 55% Alkohol merkt man doch sehr. Und falls nicht, dann hat man wahrscheinlich ein ernsthaftes Alkoholproblem ;) Das Besondere am Old Raj: Dieser Gin schmeckt trotz seiner 55 Prozent erstaunlich angenehm und keineswegs zu „spritig“, wie es bei anderen Gins der Kategorie „Navy Strength“ der Fall ist. Oder anders: Dieser Gin wirkt ordentlich auf den Trinkenden ein – schmeckt aber dabei. Er hat eine leicht gelbliche Färbung – die kommt vom enthaltenen Safran. Den Old Raj bekommt Ihr im Handel um die 30 Euro. Damit ist er der teuerste hier vorgestellte Gin. Ihr bekommt aber auch etwas für Euer Geld.

Und natürlich gibt es diesen Gin auch online: Cadenhead´s Old Raj auf Amazon (Partnerlink).

Mehr zu diesem Gin: wmcadenhead.com

Möchtegern-Barkeeper mit Zitronen- & Orangen-Firlefanz

Kommen wir nun zu einigen Gin- und Barkeeper-Gepflogenheiten, die mich erfreuen – und im schlimmsten Fall komplett abtörnen. Woran erkennt man eine gute Bar bzw. einen guten Barkeerper? Nun, eigentlich gibt es da nur eine Regel:

Ein guter Barkeeper fragt!

Wenn Ihr einen Gin Tonic bestellt, nennt Ihr natürlich Euren Gin-Wunsch und das für Euch passende Tonic Water. Spätestens jetzt sollte ein guter Barkeeper fragen, ob und wie Ihr noch etwas in Euren Gin haben möchtet (sofern Ihr das nicht vorher gesagt habt). Sollte er aber sofort und selbstbewusst loslegen und Euch ungefragt einen Zitronen- oder Orangenschalen-Fetzen (Neudeutsch: Zeste) in den Gin werfen oder virtuos das Glas damit einreiben, dann könnt Ihr sicher sein, dass Ihr den ausgewählten Gin nicht mehr im Original-Zustand schmecken werdet. Also so, wie ihn sich der Destiller gedacht und sorgsam komponiert hat.

Man muss wirklich kein Genie sein, um einschätzen zu können, wie sehr Zitronen und Orangen den Geschmack bzw. die vielen Feinheiten eines Gins zerstören verändern können. Ganz zu schweigen davon, dass man mit solchen geschmacksintensiven Zusatzstoffen ohne weiteres einen schlechten oder falsch eingeschenkten Gin tarnen kann. Aber das wollen wir ja niemandem unterstellen… Oder?

Versteht mich nicht falsch: Wer einen kräftigen Zitronen- oder Orangengeschmack im Gin mag, für den sind solche nichtfragenden Barkeeper super. Nur eben für alle anderen nicht. Mich eingeschlossen.

Ein weiterer Punkt: Ein guter Barkeeper wird Euch das Tonic Water nicht sofort und ungefragt ins Glas kippen. Schließlich kann es ja sein, dass Ihr den bestellten Gin kurz pur probieren möchtet. Sei es, um zu prüfen, ob es auch wirklich der bestellte Gin ist – oder weil man einfach gern vorab den puren Geschmack erhaschen möchten. Barkeeper, die Tonic einfach einschenken, meinen es vielleicht gut – wirklich guter Service sieht aber so aus, dass man das Tonic-Fläschchen neben den Drink stellt. Und der Gast entscheidet, was als nächstes passiert.

Und wenn Ihr glaubt, dass ich streng bin: Es gibt sogar Gin-Trinker, die es einem Barkeeper übelnehmen, wenn er Eis ins Glas gibt, nachdem sie ihn pur bestellt haben. Schließlich verdünnt Wasser den Gin – und die Kälte lässt ihn ebenfalls anders schmecken. Gin pur bedeutet für diese Leute eben – Gin pur. Soweit würde ich bei meinen Anforderungen an Barkeeper nun nicht gehen – aber ich verstehe es.

Kurzum: Ein guter Barkeeper fragt und verändert nicht eigenwillig den Geschmack eines bestellten Gin Tonics. – Und anders herum: Wenn der Gast eine Gurke, Mango, Olive, Zwiebel – was auch immer – in seinem Gin wünscht, dann soll er das bitte kredenzen. Warum: Weil der Gast es so wünscht. So einfach ist es. Widerworte, ein verzogenes Gesicht und Aussagen wie „Das geht gar nicht.“ oder „Das bekommst Du bei mir so nicht!“ zeugen nicht von erlesenem Geschmack und Kennerschaft, sondern von unangebrachter Besserwisserei (was der Gast zu mögen hat), Arroganz und einem falsch verstandenem Berufsethos.

Und auch hier bitte nicht falsch verstehen: Barkeeper sollen selbstverständlich ihre Empfehlung und Expertise abgeben. Was und wie der Gast etwas letztendlich trinkt entscheidet dann aber nur einer: Er selbst.

Soweit also meine persönlichen Tipps und ein kleiner „Rant“ auf die vielen Möchtegern-Barkeeper. Und gepriesen seien all die guten! Denn davon gibt es – zum Glück – dann doch noch genügend.

Natürlich gibt es noch sehr viel mehr zum Thema Gin zu referieren. Für´s Erste soll das aber reichen. Prost!

Theodossios Theodoridis

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