Zu Besuch in Glashütte: Glashütte Original & Uhrenmuseum (Teil 2)

Glashütte Spezimatic
(Lesezeit: 5 Min.)

Fortsetzung: Hier geht es zum ersten Teil: Zu Besuch in Glashütte – bei Tutima.

Glashütte Original & Uhrenmuseum (Tag 2)

Während die Einstiegspreise bei Tutima, und damit der Eintritt in die Glashütter Uhrenwelt, noch unter 2.000 Euro liegen, sieht es bei dem Uhrenhersteller, den ich am nächsten Tag besuchen durfte, etwas anders aus. Die Rede ist von der Luxusuhrenmarke Glashütte Original: 

Dieser Hersteller ist mir immer wieder wegen seiner Vintage-Modellreihen Sixties und Seventies aufgefallen:

(Preise – siehe Bildunterschrift)

Wie bereits zu Beginn erwähnt: Diese Uhren sind vom Design her an die Uhren angelehnt, die während der DDR-Zeit die Produktionsstätten der GUB (Glashütter Uhrenbetriebe – VEB) verließen.

Glashütte Spezimatic

Doch man würde Glashütte Original Unrecht tun, wenn man diese Uhren nun 1:1 mit den damaligen Uhren vergleichen würde. In Sachen Design gibt es definitiv Ähnlichkeiten und Zitate. Doch im Inneren schlagen heute ganz andere und wesentlich aufwändigere mechanische Werke, als jene, die während der DDR-Zeit aus Glashütte kamen. So sieht zum Beispiel das recht nüchterne Werk (Kaliber 11) der Glashütte Spezichron (s.o.) aus DDR-Zeiten aus:

Glashütte Spezichron (Kaliber 11)

Und so das Werk der Glashütte Original Seventies Panoramadatum (Kaliber 39), die Ihr ebenfalls oben seht:

Der Unterschied dürfte selbst Uhren-Laien auffallen…

(Für die Experten: Manufakturwerk, 40 Stunden Gangreserve, 39 Lagersteine, Glashütter Dreiviertelplatine mit Streifenschliff, glatter Unruhreif, Schwanenhals-Feinregulierung, skelettierter Rotor mit 21-Karat-Gold-Schwungmasse, Kanten angliert/poliert, Stahlteile poliert)

Wie gesagt, man kann gute und verlässliche Uhren auf die einfache Art und Weise produzieren (was zu DDR-Zeiten sicherlich der Fall war) oder den Herstellungsprozess auf ein ganz anderes, wesentlich höheres und teureres Niveau heben. Glashütte Original hat sich dem letzteren Weg verschrieben.

Dabei hilft es dem Unternehmen sicherlich, dass es seit dem Jahr 2000 zur riesigen Swatch Group gehört – zusammen mit anderen bekannten Uhrenmarken wie Omega, Longines, Breguet, Tissot, Blancpain und Union Glashütte. Nicht ohne Grund hängt im Eingangsbereich von Glashütte Original ein Foto von Nicolas Hayek, dem 2010 verstorbenen Patriarch der Swatch Group:


Ein beachtliche Portion Schweiz steckt also in Glashütte Original. Und es ist anzunehmen, dass der heutige Anspruch und das Niveau der Glashütter Uhrenhersteller nicht von ungefähr kommen bzw. nach Glashütte zurückgekehrt sind. – Doch damit nicht genug an Schweizer Einfluss in Glashütte: Auch bei A. Lange & Söhne hat sich ein Schweizer Luxusgüterkonzern eingekauft: Richemont. Zu dem wiederum gehören Marken wie Cartier, IWC, Panerai, Montblanc und einige weitere (mehr dazu hier).

Überhaupt: Wenn man durch Glashütte läuft, dann hat man irgendwie den Eindruck, dass diese beide Unternehmen, jeweils mit einem Schweizer Luxuskonzern im Rücken, so etwas wie die „Platzhirsche“ im Ort sind. Ihre Gebäude nehmen recht viel Platz ein und die Schriftzüge prangen groß an Gebäuden und an jeder Ecke – zumindest gefühlt. Hier ein neugebautes und recht auffälliges Parkhaus von A. Lange & Söhne (in Zusammenarbeit mit der Stadt), dort ein Uhrenmuseum, das dank einer gemeinsamen Stiftung von Glashütte Original und der Stadt ermöglicht wurde. – Das soll nun wirklich nicht despektierlich klingen. Im Gegenteil: Für die Region und den Uhren-Standort Glashütte sind diese Unternehmen und die damit einhergehende wirtschaftliche Entwicklung, inklusive der zahlreichen Arbeits- und Lehrplätze (über 600 Angestellte und 60 Uhrmacher-Lehrlinge allein bei Glashütte Original), sicherlich mehr als gut. Selbiges gilt für die anderen dort ansässigen Unternehmen. Es soll lediglich den Eindruck wiedergeben, den ich hatte, als ich das erste und zweite Mal durch den Ort lief.

Doch zurück zum Besuch bei Glashütte Original: Hier durfte ich mich auf den sogenannten „Lehrpfad“ begeben. Einen Rundgang, für den sich jeder interessierte Besucher anmelden kann.

Nun gut, ich hatte eine etwas ausführlichere Führung – inklusiver einer kleinen Demonstration eines Uhrmachers, wie man bei Glashütte Original auf unterschiedlichste Art Uhrenteile (einen „Schwanenhals“, s.u.) per Hand poliert. Dabei erfuhr ich auch, dass die Kanten jedes verbauten Teils eine Glashütte Original Uhr poliert werden – zumindest die sichtbaren.
Selbst Hand anlegen durfte ich dann beim Bläuen (Erhitzen) einer Schraube – das ist zwar keine große Kunst (nur eine Frage des Auges), aber der Stolz ist dann doch groß, wenn sich das Blau der eigenen Schraube nur minimal von dem des Profis unterscheidet:

Und selbstverständlich gab es noch einige Uhren zu sehen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte – hier ein paar meiner persönlichen Favoriten:

(Preise – siehe Bildunterschrift)

Die Preisspanne: Was die Preise bei Glashütte Original angeht, so liegt der Einstieg bei 5.400 Euro für eine Glashütte Senator Zeigerdatum und reicht bis 325.000 Euro für eine auf 25 Stück limitierte Grande Cosmopolite Tourbillon in Platin. Dazwischen gibt es für jeden (gehobeneren) Geldbeutel die passende Uhr. Wie gesagt: Diese Uhren sind für all jene, die das Besondere und bei Uhren ein möglichst hohes (Fertigungs-)Niveau suchen.

Alternative für Vintage-Fans: Wem vier-, fünf- und sechsstellige Beträge zu viel erscheinen, dem lege ich noch einmal meine Artikel zu den alten Glashütte-Uhren aus DDR-Zeiten ans Herz. Genauer gesagt: Die Glashütte Spezichron und Spezimatic. Bei diesen Vintage-Uhren ist man bereits mit dreistelligen Beträgen dabei – und sie sind nicht minder Glashütter Originale ;)

Das Uhrenmuseum in Glashütte

Genau die eben empfohlenen Uhren konnte ich dann im NOS- (New Old Stock) bzw. restaurierten Zustand bei meiner dritten Station, dem Uhrenmuseum, bewundern. Sogar meine neulich auf ebay ersteigerte Glashütte Spezichron war dabei – gewissermaßen fabrikneu:

Doch natürlich sind diese Uhren nur ein winziger Teil dessen, was man in Uhrenmuseum sehen und über die Uhrenstadt Glashütte erfahren kann. Wir wissen ja nun: Seit 1845 produziert Glashütte Uhren. Und diese sehr bewegte Geschichte (Gründung, Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, Demontage, DDR-Zeit, Wende, Neuaufbau) ist von Beginn an und in ihrem vollen Umfang im Deutschen Uhrenmuseum Glashütte zu sehen und zu erfahren. Dazu gehören natürlich auch die Anfänge, die auf A. Lange & Söhne zurückgehen. Und es sind manchmal nur „Kleinigkeiten“, die einen staunen lassen. Zum Beispiel die ausgestellten Auftragsbücher von A. Lange aus dem Jahr 1895 ff – was für historische Schätze und Einblicke, die man hier erhält:

Mein Tipp: Wenn Ihr nach Glashütte fahrt, besucht das Uhrenmuseum als erstes, damit Ihr einen Überblick in Sachen Historie und Zusammenhänge der dort ansässigen Unternehmen bekommt:

Dann erst – so meine Empfehlung – solltet Ihr Euch mit diesem gesammelten Hintergrundwissen an eine der Führungen bei einem oder mehreren Hersteller machen. Und: Mehr als zwei Besuche bzw. Führungen an einem Tag sollte man vielleicht nicht machen. Es sind doch ein ganze Menge Fakten, historische Daten und technische Details, die man dabei vermittelt bekommt. Zum Glück hatte ich den kleinen Luxus, im Museum eine gesonderte und sehr charmante Führung zu bekommen, die sich an den wichtigsten historischen Stationen und meinen persönlichen Interessen orientierte – also Vintage-Armbanduhren bzw. den Uhren aus der DDR-Zeit bis heute.

Hier einige weitere Impressionen aus dem Museum:

Soweit also zu meinen Besuchen bei Tutima, Glashütte Original und dem Uhrenmuseum. Leider ist es unmöglich, hier alles wiederzugeben, was ich vor Ort gesehen und erfahren habe. Dafür ist die Geschichte dieser Uhrenstadt und der Hersteller einfach zu umfangreich. Am besten Ihr fahrt selbst hin ;)

Aber noch ein letzter Eindruck bzw. Randnotiz: Glashütte platzt aus allen Nähten. Die diversen Uhrenhersteller haben zum Teil mehrere Gebäude im Ort angemietet, um den steigenden Produktionszahlen gerecht zu werden und die wachsende Zahl an Mitarbeitern unterzubringen. Nomos baut sogar in einer benachbarten Ortschaft, die offiziell noch zu Glashütte gehört, eine Produktionsstätte auf. Kurzum: Glashütte boomt seit Jahren und man sieht es dem Ort auch an, dass es hier wirtschaftlich offenbar mehr als gut vorangeht…

Last but not least möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Ansprechpartner vor Ort bedanken: Alexander Philipp von Tutima, Michael Hammer von Glashütte Original und Sonja Hauschild vom Deutschen Uhrenmuseum Glashütte. Warum ich das so ausdrücklich mache: Nun, weil ich von ihnen in Glashütte sehr freundlich, herzlich und offen empfangen wurde. Im Bereich der Luxusuhren ist das alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Erst recht, wenn man „nur“ Uhrenblogger ist. Vielen Dank also noch einmal für die Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Die Reise hat sich in Sachen Uhren-Know-how absolut gelohnt, und ich behalte Glashütte in guter Erinnerung! Bis zum nächsten Mal :)

Link-Tipp:

Mehr zum Thema u.a. Glashütte Uhren aus der DDR-Zeit: https://www.glashuetteuhren.de

 

Einige weitere Impressionen aus Glashütte:
(Fotos: Glashütte Original)

Theodossios Theodoridis

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