Ein Blick auf: Maurice Lacroix – Aikon Automatic, Pontos & Co.

Maurice Lacroix Aikon Automatic
(Lesezeit: 8 Min.)

Wisst Ihr, das Gute an einer Kooperation mit einem Uhrenhersteller (was heißt das?) ist, dass man endlich mal wieder Zeit findet, sich mit einer Uhrenmarke etwas eingehender zu beschäftigen. Dazu komme ich leider kaum noch. Und besonders interessant wird es, wenn es sich um einen Uhrenhersteller handelt, den man schon länger im Hinterkopf hatte und sich dachte: „Diese oder jene Uhr müsste ich eigentlich mal vorstellen.“. Zu diesen Uhrenmarken gehört auf jeden Fall Maurice Lacroix. Es gibt einige sehr interessante Modelle bzw. Modellreihen bei diesem Hersteller, die ich Euch schon seit längerem vorstellen wollte – aber einfach nicht dazu gekommen bin. Dieser Artikel holt das gewissermaßen nach :)

Dabei wird es um einen meiner persönlichen Favoriten gehen – eine Taucheruhr, die Maurice Lacroix leider nicht mehr offiziell im Sortiment hat (aber noch erhältlich ist). Zudem um eine ziemlich markante Stahluhr und einem sportlich modernen Chronographen mit „Panda-Dial“. Die Auswahl habe ich so getroffen, dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte.

Maurice Lacroix – die mit dem „M“

Doch bevor wir zu den einzelnen Modellen kommen, sollten wir uns zunächst einmal die Uhrenmarke Maurice Lacroix etwas genauer anschauen. Ich schätze, dass nicht jeder diesen Hersteller kennt. Obwohl einigen das charakteristische „M“-Logo – unter anderem auf den Lederbändern – bekannt vorkommen dürfte:

Maurice Lacroix Pontos Chronograph

Hier also ein paar schnelle Daten und Infos zu Maurice Lacroix: Es ist eine vergleichsweise junge Uhrenmarke, gegründet 1975. Das Unternehmen, das dieser Marke voranging (Desco von Schulthess, Wikipedia), wurde jedoch bereits 1889 gegründet. Die Produktionsstätte liegt in der Schweiz (Saignelegier) und der Unternehmensname stammt von einem Mitglied des Vorstandes, das leider während der Namensfindung verstarb. Ihm zu Ehren hat man den Vor- und Nachnamen als Markennamen gewählt (Wikipedia). Was viele wahrscheinlich nicht wissen: Maurice Lacroix fertigt sogar eigene Werke. Die findet Ihr dann in der etwas gehobeneren und teureren Masterpiece Kollektion. Aber keine Bange, wir werden uns hier mit den etwas erschwinglicheren mechanischen Modellen befassen :) – Und dennoch: Es ist gut zu wissen, dass dieser Hersteller nicht nur „Einschaler“ ist, sondern durchaus eigenes Uhren-Know-how hat – und bei der Uhrenproduktion einsetzt.

Und noch eine interessante Randnotiz:

Als Qualitätsmerkmal schuf Maurice Lacroix als einer der ersten Hersteller die Möglichkeit zum Blick ins Uhrwerk durch gläserne Gehäuseböden.“
(Quelle: Wikipedia)

Wer hätte das gedacht… wieder was dazugelernt.

Soweit also die wichtigsten Infos im Schnelldurchlauf. Kommen wir nun zu einer Frage, die sich viele stellen dürften, wenn sie dieser Marke zum ersten Mal begegnen:

Was ist von Maurice Lacroix zu halten?

Tja, da ich meine Meinung und mich selbst nicht als Maß aller Dinge ansehe, schaue ich gern mal nach, was andere dazu sagen. Im Uhrforum bin ich fündig geworden: Dieser Thread und die einzelnen Erfahrungsberichte sind auf jeden Fall lesenswert.

Wie so oft im Uhrforum gibt es einige Erfahrungen (von Besitzern einer Uhr) und Meinungen (meist von Nicht-Besitzern einer Uhr). Aber für eine erste Orientierung und Einordnung ist das schon mal recht hilfreich. Und was ich anhand der Uhren, die mir Maurice Lacroix testweise zur Verfügung gestellt hat, bestätigen kann: Sie machen auf den ersten und zweiten Blick einen sehr wertigen Eindruck. Je näher man sich die Uhren anschaut, desto mehr erkennt man, wie viel Arbeit und Aufwand in ihnen stecken muss. Oder anders: Man hätte es sich bei der Produktion auch vieles einfacher machen können – und hätte immer noch eine gute Uhr. Nur als Beispiel: Man muss die Doppelfaltschließe einer Uhr nicht wirklich mit einem Perlschliff versehen (es sei denn sie liegt im fünfstelligen Euro-Bereich). Maurice Lacroix sieht das irgendwie anders:

Maurice Lacroix Aikon Automatic - Doppelfaltschließe

Dieses schöne Detail, das man sonst eher im Inneren einer Uhr findet, ist nur sichtbar, wenn man die Uhr an- und wieder ablegt. Eigentlich vollkommen überflüssig. Reine Zierde. Und dennoch freut man sich immer wieder, wenn man einen Blick darauf wirft. Es ist einfach ein schöner Anblick. Und es gibt einem auf Anhieb das Gefühl eine gute und wertige Uhr zu tragen. Zumindest ging es mir so.

Und das zeigt mir, dass man Maurice Lacroix wohl ein wenig anders tickt – und seinen Kunden gern etwas mehr bietet. Wir werden das später noch sehen. Und wer ohnehin ein Freund von „Möglichst viel Uhr fürs Geld“ ist, der könnte bei dieser Uhrenmarke richtig sein. Vorausgesetzt natürlich das Design der Uhren spricht einen an. Denn das kann mitunter recht speziell sein. Aber auch dazu später mehr :)

Kommen wir nun zu meinem Favoriten bei Maurice Lacroix – leider ein „discontinued model“, aber hier und da noch erhältlich:

Maurice Lacroix  Pontos S Diver

 

Ohne Zweifel eine Taucheruhr. Und was für eine. Bei ihr stellt sich nicht die Frage, ob sie 100 oder 200 Meter wasserdicht ist. Es sind einfach mal 600 Meter. Wie gesagt, es darf bei Maurice Lacroix immer etwas mehr sein :) Außerdem hat sie ein Heliumventil (für Profi-Taucher, Dekompression in Taucherglocken) und eine drehbare Innenlünette. Das Design ist ein wenig retro und erinnert stark an Compressor-Taucheruhren der 60er und 70er Jahre. Der Durchmesser des Pontos S Diver liegt bei 43 Millimeter. Damit ist sie definitiv keine kleine Uhr. Im Inneren schlägt übrigens das Kaliber ML115 auf Basis des Sellita SW200 (wer das ETA 2824-2 zu schätzen weiß, der ist bei dieser Alternative aus der Schweiz genau richtig).

Den Pontos S Diver gibt es in verschiedenen Ausführungen: zum Beispiel mit blauem Zifferblatt oder schwarzem Gehäuse. Und sogar als Chronograph. Der ist sogar noch im Online-Shop erhältlich, mit 4.450 Euro aber auch gleich etwas teurer. Die schlichte Dreizeiger-Version bleibt – insbesondere vom Preis her – mein persönlicher Favorit. Wie gesagt, die Uhr ist offiziell nicht mehr im Programm von Maurice Lacroix.  Ihr bekommt sie aber im Netz, mit ein wenig Suchen und Geduld, um die 1.000 Euro (statt rund 3.000). Wer also auf der Suche nach einer ordentlichen Taucheruhr ist, die den Namen verdient, sollte sich den Pontos S Diver auf jeden Fall mal anschauen.

Damit ich aber nun nicht nur Uhren vorstelle, die Maurice Lacroix nicht mehr im Programm hat ;) – kommen wir nun zu einer aktuellen und dieses Jahr auf der Baselworld vorgestellten Uhr. Ich bin mir sicher, dass diese Uhr die Gemüter der hier Mitlesenden spalten wird. Die einen werden sie lieben – die anderen vielleicht nicht so sehr. Aus diversen Gründen ;)

Markante Stahluhr: Maurice Lacroix Aikon Automatic

Die sieht doch aus wie… dürfte wohl die erste Reaktion sein, die nahezu jeder Uhren-Fan äußert, wenn er die Aikon Automatic das erste Mal sieht. Und auch mir ging es so. Bei genauerem Vergleich stellt man dann aber fest, dass es zu den vermeintlichen und rund zehnmal (!) teureren Pendants, dann doch genügend Unterschiede gibt. Nicht zuletzt, weil sie sich in Sachen Design der an hauseigenen Maurice Lacroix Calypso aus den 90ern orientiert. Richtig ist aber, dass die Aikon Automatic einen ganz bestimmten Uhren-Stil bedient, den Gérald Genta geprägt hat. Und zugegeben, diesen markanten Stil muss man mögen.

Als Designer war Genta für mehrere Marken tätig und hat einige Uhren-Ikonen geschaffen, die sich – nach meinem Empfinden – doch sehr ähneln. Zumindest, was das Design-Konzept angeht. Gut, ein wenig unterscheiden sie sich natürlich – nicht zuletzt wegen des Logos der unterschiedlichen Hersteller ;)

Aber im Ernst: Genta hat in den 70er Jahren den Trend der massiven, sportlichen Stahluhr mit integriertem Stahlband begründet und populär gemacht. Und ähnlich, wie heute jeder Autohersteller ein SUV (die sich vom Designkonzept übrigens alle bemerkenswert ähneln) im Programm hat, haben auch andere Uhrenhersteller sich dieses Konzepts bis heute vielfach angenommen. Wer nun Hardcore-Purist ist und fast schon zwanghaft 15.000 Euro und mehr für so eine Stahluhr ausgeben muss, möge das bitte tun – sollte aber spätestens jetzt aufhören, hier weiterzulesen. Er wird sich eh nur echauffieren und mokieren ;)

Für alle anderen ist die Aikon Automatic eine großartige Alternative, die nicht nur um einiges preiswerter ist, sondern vor allem in Sachen Qualität, Verarbeitung und Tragekomfort ziemlich weit vorn mitspielt. Wie gesagt, Maurice Lacroix bietet seinen Kunden gern etwas mehr fürs Geld. Oder wie es die Kollegen von ablogtowatch formulieren:

The affordability of a high quality, well finished, and superbly comfortable steel sports watch is hard to beat.

Dem habe ich nichts hinzufügen.

Und nun schauen wir uns diese 42-mm-Uhr mit dem charakteristischen Clous de Paris-Zifferblatt und Schweizer Automatikwerk (Kaliber ML115, auf Basis des Sellita SW200) etwas genauer an:

Maurice Lacroix Aikon Automatic

Was mich bei der Aikon Automatic am meisten beeindruckt hat, ist der Tragekomfort. Es ist selten, dass sich eine derart massiv und robust wirkende Uhr am Stahlarmband so angenehm trägt. Mir fallen nur eine Handvoll Uhren ein, auf die das – zumindest für mein Handgelenk – zutrifft. Die Aikon Automatic steht ab sofort auf dieser Liste.

Zwar hat mir Maurice Lacroix zwei Lederbänder zur Verfügung gestellt, die sich dank Easy Strap X-Change System binnen weniger Sekunden und vollkommen kratzerfrei tauschen lassen – so richtig überkam mich aber nicht das Bedürfnis, das Band zu wechseln. Das Stahlband blieb während der ganzen Testzeit dran :)

Wer sich das Schnellbandwechselsystem von Maurice Lacroix (warum haben das eigentlich nicht alle Hersteller – so oder ähnlich?) etwas genauer anschauen möchte – hier ein Video:

Die beiden Stifte, mit denen man die Arretierung löst, stören übrigens in keinster Weise. Das war ein Bedenken, das ich hatte, als ich das Schnellwechselsystem zum ersten Mal sah:

Beim Tragen habe ich aber rein gar nichts gespürt. Die Uhr trägt sich an dem mehrgliedrigen Stahlband einfach nur großartig. Definitiv ein Pluspunkt. Wer allerdings Leder bevorzugt, der wird nach dem ersten durchgetragenen Band nur die eigens hierfür vorgesehenen Lederbänder von Maurice Lacroix verwenden können. Ihr könnt an dieser Uhr leider keine „normalen“ Lederbänder anbringen. In meinen Augen ein weiteres Argument für die Stahlband-Version. Die ist ohnehin der bessere „Deal“ in Sachen Preis:

Maurice Lacroix Aikon Automatic – Preis und Varianten

Kommen wir nun zum Preis der Aikon Automatic: Er liegt für die mit blauem, silbernen und schwarzem Zifferblatt erhältlichen Varianten bei 1.590 Euro mit Lederband und bei 1.690 Euro mit Metallband. Das ist natürlich nicht gerade wenig Geld. Aber wie gesagt, in Anbetracht der Verarbeitung, Qualität und dem Tragekomfort – und vor allem im Vergleich mit anderen Stahluhren dieser Kategorie – kann man ihn als fair und angemessen bezeichnen. Und selbst im sonst so überkritischen Uhrforum findet Ihr dies bestätigt: Hier ein paar Stimmen.

Wem diese Preise dennoch zu hoch erscheinen, für den könnte, die Quarz-Variante mit einem etwas anderen Zifferblatt (Streifen statt „Clous de Paris“) eine Option sein – sie liegt bei 895 Euro. Last but not least: Eine Chronographen-Variante (Quartz & Automatik) gibt es ebenfalls. Die fällt allerdings mit 44 Millimeter Gehäusedurchmesser etwas größer und teurer aus.

Soweit also zur Aikon Automatic. Kommen wir nun zu einem klassischen Chronographen – um das eine oder andere Gemüt zu beruhigen ;)

Maurice Lacroix – Pontos Chronograph

Maurice Lacroix Pontos Chronograph

Während die Aikon Automatic eher in die Kategorie „markantes Design“ und „spitze Zielgruppe“ fällt, dürfte der  Pontos Chronograph zu den Uhren gehören, die ein breiteres Publikum ansprechen – ohne jedoch zu „mainstream“ zu sein. Das beginnt schon bei der Größe. Mit 43 mm ist diese Uhr schon mal ordentlich groß. Das entsprechende Handgelenk sollte Ihr also mitbringen ;) Und wenn Ihr Euch für die Variante mit hellem Zifferblatt entscheidet, dann wirkt der Pontos Chronograph noch mal so groß. Die Uhr mag auf den ersten Blick recht dezent wirken – am Arm kann sie aber ohne weiteres als auffällig bezeichnet werden. Zumindest war es bei mir so.

Und obwohl es sich um einen recht klassisch designten Chronographen mit „Panda-Dial“ handelt, findet Ihr hier doch einige schöne Details, mit der sich diese Uhr von anderen abhebt. Mir persönlich gefällt – neben dem silbernen Zifferblatt mit Sonnenschliff  – vor allem die Gestaltung des Gehäuses, der Krone und der Drücker. Aber seht selbst:

Maurice Lacroix Pontos Chronograph

Maurice Lacroix Pontos Chronograph

Maurice Lacroix Pontos Chronograph

Maurice Lacroix Pontos Chronograph

Maurice Lacroix Pontos Chronograph

Kann sich von jeder Seite sehen lassen, oder? – Die Kenner unter Euch werden es sofort erkannt haben: Im Inneren des Pontos Chronograph schlägt eine veredelte Version des seit Jahrzehnten bewährten ETA 7750, das bei Maurice Lacroix die Kaliber-Bezeichnung ML 112 trägt. Weitere Details und Daten zum Werk findet Ihr hier und natürlich auf der Website von Maurice Lacroix. Der Preis dieser Uhr liegt bei 2.490 Euro mit Lederband, die Variante mit Stahlband liegt bei 2.690 Euro. Zudem bekommt Ihr den Pontos Chronograph mit verschiedenen Zifferblattfarben. Was diese Modellreihe nicht hat, ist das oben vorgestellte Schnellwechselsystem. Vorteil wiederum ist, dass Ihr an dieser Uhr jedes handelsübliche Band anbringen könnt.

Und natürlich hat das mitgelieferte Lederband die bereits oben erwähnte Doppelfaltschließe mit Perlschliff:

Maurice Lacroix Pontos Schließe

Soweit also meine Vorstellung von Maurice Lacroix und einer kleinen Auswahl an Modellen. Natürlich findet Ihr auf der Website und dem Online-Store noch viele weitere Uhren und einige Sondermodelle, die nur online erhältlich sind. Wie gesagt, wer auf Manufakturkaliber steht, der findet diese in der Masterpiece-Kollektion.

Maurice Lacroix findet Ihr natürlich auch in den sozialen Netzwerken – reinschauen lohnt sich:

Instagram

Facebook

Youtube

 

Weitere Link-Tipps zum Nachlesen: 

Maurice Lacroix Aikon Automatic: 

Baselworld 2018  – Aikon-Uhren im Erbe der Calypso -> Watchtime.net

Baselworld 2018 Maurice Lacroix Introduces Automatic (and accessible) versions of its Aikon -> Monochrome Watches

Hands-On With The Impressively Redone Maurice Lacroix Aikon Automatic Watch – ablogtowatch

 

Maurice Lacroix Pontos S 

Maurice Lacroix: Pontos S Diver und Extreme

Review bei Watchgecko.com:
ANOTHER CONTENDER FOR BEST SUB £5K DIVER?
 – MAURICE LACROIX PONTOS S DIVER

 

*Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Maurice Lacroix (Was heißt das?)

Summary
Review Date

Theodossios Theodoridis

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