MoonSwatch – die Speedmaster für jedermann | Omega x Swatch (Update)

Omega x Swatch MoonSwatch Titel
(Lesezeit: 4 Min.)

Es könnte die Uhren-News des Jahres sein – und einige Uhren-Snobs weltweit gucken dumm aus der Wäsche. Mindestens aber verunsichert. Warum? Weil Omega und Swatch (beide Marken der Swatch Group) sich zusammengetan haben und eine Speedmaster zum Preis von 250 Euro auf den Markt bringen. Nicht limitiert. – Ja, richtig gelesen. Die Omega Speedmaster Moonwatch bzw. die neue MoonSwatch kann sich ab sofort jeder leisten. Eine Speedmaster fürs Volk – eine Volks-Speedy ;)

Das ist ein auf so vielen Ebenen gelungener und überraschender Coup, dass ich aus dem Schmunzeln gar nicht mehr rauskomme. Chapeau, Omega & Swatch!

Doch bevor ich das noch etwas näher erläutere, werfen wir erst einmal einen Blick auf die insgesamt 11 neuen Omega x Swatch MoonSwatch-Modelle. Sie sind fast 1:1 dem Original nachempfunden und nach Gestirnen unseres Sonnensystems benannt:

Omega x Swatch MoonSwatch Mond

Oben: Mond

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Uhrenarmband Kautschuk Schnellverschluss 20mm schwarz

 

Omega x Swatch MoonSwatch Saturn

Oben: Saturn

Oben: Merkur

Omega x Swatch MoonSwatch Jupiter

Oben: Jupiter

Omega x Swatch MoonSwatch Mars

Oben: Mars

Omega x Swatch MoonSwatch Neptune

Oben: Neptun

Omega x Swatch MoonSwatch Pluto

Oben: Pluto

Außerdem Erde, Sonne, Uranus & Venus:

Die MoonSwatch – eine echte Volks-Speedy

Wer mich und meinen Uhren-Blog kennt, der weiß, dass ich eingefleischter Moonwatch– und Speedmaster-Fan bin. Der weiß aber auch, dass ich von der bisherigen Omega-Preis- und Modellpolitik wenig bis gar nichts halte. Zu viele Limited Editions, zu viele Preisanstiege bis in den fünfstelligen Bereich. Weißgold hier, Gelbgold da. Und überhaupt ganz viel ChiChi, ChuChu und „Boutique-Gedöns“. Zu sehr eiferte Omega dem ewigen „Erzrivalen“ Rolex nach. Es musste möglichst luxuriös, teuer und unnahbar sein. Wirtschaftlich mag das vielleicht erfolgversprechend sein – in Sachen Image, Glaubwürdigkeit und Sympathie… nun ja.

Und dann kommt die Swatch Group mit dieser MoonSwatch daher. Wie eine Abrissbirne donnert die günstige Uhr aus Kunststoff (Swatch nennt es Bioceramic) inklusive Quarzwerk direkt ins Champagner-Lager der Uhrenindustrie und der mittlerweile recht (ab-)gehobenen Uhren-Community. Und so manchem elitärem Uhrensammler fällt dabei ein großer Brocken Kaviar vom Blini. Schließlich ist diese Uhr eher etwas für Leute, die auch gern mal in ein Fischbrötchen beißen.

It´s a bold move…

 

Omega x Swatch MoonSwatch MOON

Nun könnte mancher sagen, dass die MoonSwatch eine „Poor Man´s“-Speedmaster ist. Doch tatsächlich ist sie in meinen Augen mehr. Sie ist, bezogen auf Omega bzw. die Swatch Group, ziemlich selbstironisch und bringt eine ordentliche Portion Chuzpe mit. Und damit ist nicht die Dreistigkeit gemeint, die Omega bisher in Sachen Preisgestaltung bzw. Preis-Leistungs-Verhältnis an den Tag gelegt hat, sondern der fast schon rebellische Ansatz, mal ein paar Regeln zu brechen. Die eigenen und die der Uhrenbranche.

Irgendwo im Netz habe ich gelesen: „Das würde Rolex niemals machen!“. Exakt. Genau darum geht es :) Und es erinnert schon ein wenig an die Attitüde, die Swatch damals in den 80er und 90er Jahren hatte – und zu einem beachtlichen Erfolg führte. Man mag es kaum glauben, aber ich finde diesen „Omega x Swatch“-Move mutig, angenehm erfrischend und sympathisch. Dass ich das mal im Zusammenhang mit Omega sage, hätte ich jetzt auch nicht gedacht…

Kurzum: Es ist schon eine Weile her, dass ich mich auf den Release einer Uhr so gefreut habe :)

Der wird übrigens am 26. März 2022 sein. Mal schauen, wie es ist, wenn ich die Uhr dann am Arm habe. Sofern ich sie denn auf Anhieb bekomme. Denn es mag ja sein, dass die Uhr offiziell nicht limitiert ist. Ob sie aber auch jeder in einem der ausgewählten Swatch Stores (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München) bekommt, ist eine andere Frage. Das könnte mitunter für ein wenig Frustration sorgen… und Sympathiepunkte kosten.

Wir werden sehen! :)

 

Update (27. März 2022) – einen Tag nach dem Release:

Es kam natürlich so, wie es kommen musste: Die Warteschlangen vor den Swatch Stores weltweit waren hunderte Meter lang. Tausende Menschen wollten die neue MoonSwatch kaufen. Die mediale Aufmerksamkeit war hoch und die verfügbare Menge an Uhren grotesk gering. Alles für den Hype. Die Rechnung ist für Swatch und Omega voll aufgegangen. Zumindest vorerst :)

Denn nun müssen sie auch „delivern“ – und zwar reichlich Uhren. Oder anders gesagt: Weltweit eine solche Begehrlichkeit zu erzeugen, ist die eine Sache. Die andere ist es, sie ab jetzt zu handhaben. Und zwar so, dass sie nicht in Frustration und den bereits oft herbeigerufenen Image-Schaden für beide Marken umschlägt. Denn tatsächlich glaube ich nicht, dass diese „Volks-Speedy“ an sich dem Image der Marken schaden wird, sondern eher der Umgang mit der nun entstandenen Begehrlichkeit und Situation. Es ist längst nicht mehr nur die Uhren-Community, die auf diese Uhr steil geht – das Thema ist voll im „Mainstream“ angekommen.

Werden also Omega und Swatch der Masse, das geben können, was sie versprochen haben? Oder werden sie – nicht untypisch für die Uhrenbranche und Swatch Group – ihr bisher gut gespieltes Blatt komplett überreizen und letztendlich vermasseln? Das wäre wirklich schade.

Wir werden sehen!

 

Update (30. April 2022) – über einen Monat nach dem Release:

Omegas Swatch Speedmaster MoonSwatch Saturn

Das „gemeinsame Kind“ von Omega und Swatch, die MoonSwatch, ist über einen Monat nach dem offiziellen Release immer noch nicht für jeden erhältlich. Zumindest nicht in ausreichenden Mengen. Nicht in den Swatch Stores – und schon gar im Online-Shop von Swatch. Was Swatch ja angekündigt hatte, um die Masse an Menschen, die keine Uhr bekommen haben, zu beruhigen.

„Honi soit qui mal y pense“ – Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

Zwar ist Kunststoff-Speedmaster offiziell nicht limitiert, verfügbar ist sie aber auch nicht wirklich. Und es sieht ganz danach aus, dass Omegas und Swatch den Verkauf absichtlich drosseln und den Online-Verkauf weiter hinauszögern, um a) Interessenten weiterhin in ihre physischen Swatch Stores zu locken (wo es zufällig auch noch andere Swatch-Uhren gibt, die sich sehr gut als Frustkauf eignen) und um b) einen zweiten Hype zu generieren, wenn man mit großem Trara dann endlich online geht – und dann wieder binnen kürzester „ausverkauft“ ist. – Na, das wär doch was, oder? ;)

Natürlich kann man einen Spannungsbogen so aufbauen. Fragt sich nur, ob man den Bogen nicht dann doch etwas überspannt und einem das eine oder andere um die Ohren fliegt.

Und es gilt wieder: Wir werden sehen ;)

PS: So langsam beruhigen sich auch die ebay-Preise (Partnerlink). Waren sie zuvor im hohen drei- und sogar vierstelligen Bereich, liegen sie nun im Schnitt „nur noch“ bei dem doppeltem Verkaufspreis. Zumindest, wenn es nach den aktuell erfolgreich abgeschlossenen ebay-Auktionen (Partnerlink) geht.

 

Lese-Tipps – rund um das Thema Omega Speedmaster:

Omega Speedmaster Preisentwicklung – The Moon is the Limit? (Update 2022)

Omega Speedmaster – 6 Alternativen zur Moonwatch (Update 2022)

Weitere Artikel…

 

*Partnerlink – was ist das?

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Theodossios Theodoridis

18 Kommentare

  1. Der Text bringt es 100%ig auf den Punkt. Jede Silbe sitzt! Ich habe immer mal wieder auf Swatch geschielt, und eine Moonwatch fest auf der Liste für meine kleine Sammlung bezahlbarer Ikonen. Die Moonswatch werde ich ganz sicher kaufen, wenn ich einer zum Listenpreis habhaft werde. Das Projekt ist einfach ein Kracher. Eine Provokation! Es ist aber auch gelungen, im Detail sogar zu gelungen. Das durchgestylte Armband führt vermutlich dazu, dass ich die Moonswatch nicht an mein kräftiges Handgelenk bekomme. Egal, dann ist mal eine Uhr nur für die Vitrine. Nicolas Hayek würde lachend im Grab rotieren, wenn er wüsste, was seine Firma hier angezettelt hat. Es ist jedenfalls gut, dass man sich in der Szene mal ein wenig locker macht. Diese Uhr wird niemandem die Butter vom Brot nehmen, im Gegenteil. Sie wird den einen oder anderen für Luxusuhren begeistern. Das ist doch auch schön, oder?

    • Vielen Dank! :)

      Ja, das macht gerade irgendwie Spaß :)

      Was die Armbänder angeht, bin ich auch skeptisch. Werde ich sicherlich austauschen & andere ausprobieren. Sofern das ohne Weiteres möglich ist.

  2. Moin, (25.03.2022)
    eBay, wohl aus Frankreich 3000€(!).
    Sofortkauf. Man darf aber einen Preisvorschlag wagen.
    Lieber Theo,
    11 Editionen, ChiChi geht weiter.
    Der Testballon scheint Poor Mans Börse anzupeilen. Die SwatchGroup hat ja noch einiges anzubieten. Ich bin so gespannt wie Du, was da noch lanciert wird.
    Ich wünsche Dir Kauferfolg und bin sehr gespannt auf Deine entsprechenden Artikel.
    Tickende Grüsse

    • Hier setze ich einfach mal darauf, dass genügend gesunder Menschenverstand im Umlauf ist :)

      Auf gar keinen Fall sollte man (wesentlich) mehr als die 250 Euro zahlen. Zumal die Uhr nicht limitiert ist. Sollte sie zum Release ausverkauft sein, wird sie früher oder später wieder verfügbar sein. Zu einem späteren Zeitpunkt, laut Swatch, auch online.

    • Kurze Zahl aus Düsseldorf.
      100 Uhren für 500 Interessenten.
      Listenerhebung und Abarbeitung.

  3. Wenn ich Aufsichtsrat der Swatch Group wäre, würde ich den Verantwortlichen für diese Marketingblödheit auf der Stelle feuern. Das ist, als würde Ferrari einen Klassiker bei Fiat nachbauen lassen und „Fiatrrari“ draufschreiben. Wie kann man sich eine Uhrenikone durch so ein nicht nachhaltiges Selbstplagiat ( Batterie, Plastik) so entwerten !

  4. Nicht nur das: Es gab auch mal einen Seat Ibiza mit Porsche Motor. So Anfang der 90er. Meine Mutter hatte so Teil. Fuhr jetzt nicht schlecht, aber halt so eine Evolutionsstufe über Fiat Panda. Mit dem hatte der Ibiza allerdings wesentlich mehr gemeinsame Gene als mit nem Porsche. Der Motor jedenfalls hatte alles, aber keine besonders positiven Eigenschaften. Er fuhr halt für damalige Verhältnisse flott, aber gegen meinen gleichstarken VW Jetta 1… no Chance. Das hat aber weder der Karre noch Porsche imagemäßig geschadet. Ob es viel genützt hat, ist aber auch unklar. Seat ist damals unter VW in Deutschland durchgestartet, und das mit einer passablen Qualität. Ich denke, das zählte mehr als das Porsche-Label. Ganz anders sah das schon aus, was Porsche da in Stuttgart oder Ingolstadt abgeliefert hat. Das waren richtige Kracher!

    Um den Bezug zur Moonswatch herzustellen: Ich denke, man darf das nicht zu verbissen sehen. Es wird keine echte Omega dadurch weniger verkauft. Die Uhr ist ein gelungener Gag, für den einen oder anderen auch eine Einstiegsdroge. Passt, denke ich.

  5. Laut deinem link hat das Fiat Coupé mit Ferrari überhaupt nichts zu tun.
    Aber du hast recht, es gab Fiat/Ferrari Zwitter sowie auch Porsche/Audi Bastarde.
    Und betrachtet man die Geschichte im Ganzen, muss man eingestehen, solche Aktionen haben den Marken nur geschadet und waren immer Ausdruck von eklatanten Managementschwächen.

  6. Moin Theodossios,
    Hab die Uhr gestern gefunden und alle Uhrenhändler im Umkreis angerufen. Keine Chance. Ich habe meine Leidenschaft inklusive Omega Uhr ( 50 Jahre alte Constellation) von meinem Opa geerbt. Ich wollte immer eine Moonwatch. Jetzt diese Hommage. Perfekt. Ich hoffe die ist auch noch verfügbar wenn ich nach Innsbruck komme.
    Gruß Theodor

  7. Ich bin eine Person der unteren Mittelschicht; wenn man das so sagen kann…spare seit ca 1,5 Jahren um mir eine Vintage moonwatch mit hesalit zuzulegen nach dem Motto „once in a lifetime“. Die moon Swatch ist keine Option für mich, das Original aber nun irgendwie auch nicht mehr…:-(

    • Hi Chris, das wäre wirklich schade…

      Mir ist klar, dass jeder, der auf so eine Uhr spart, sich das gut überlegt hat und sein Geld auf keinen Fall „verbrennen“ möchte. Allerdings glaube ich, dass eine Vintage Speedmaster immer noch eine schöne Uhr und gute Wahl ist :)

  8. Hallo Uhrenfreunde,
    ein echter Marketing-Coup!
    Ganzseitige Anzeigen in der FAZ: die Ankündigungen einige Tage zuvor und danach ganzseitig mit den Fotos aller Modelle. Ist ein schickes Poster hier in meinem Büro.
    Und jetzt: zahlreiche Angebote im bekannten Internet-Auktonsformat, utopische „will haben Preise“ und am 27.03. – also EINEN Tag nach Verkaufsstart ! – Verkaufsergebnisse um die 1000,-€ (und mehr). Dabei auch viele gewerbliche Verkäufer (wo die wohl die Uhren herhaben ?).
    Na ja. Wenn ich so eine Uhr haben wollte, dann warte ich halt bis ich eine im Laden kaufen kann. Und so lange schaue ich schmunzelnd auf das weitere Geschehen.
    Außerdem trage ich dann mal wieder öfter meine OMEGA Speedmaster Professional, Baujahr 1969 mit den Kaliber 321. ;-)

    Nette Grüße aus dem Münsterland.
    Tom

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