Porsche Design Utility Chronograph 1 (2024) – ziviles Military-Comeback

Porsche Design Utility Chronograph 1 - Military re-issue 2024
(Lesezeit: 6 Min.)

Von Military zu Utility – vom Tiger zum Murmeltier. Und das Ganze mit einem Augenzwinkern. So in etwa könnte man die neue auf 250 Stück limitierte Version des Porsche Design Chronograph 1 zusammenfassen. Was man an dieser Stelle aber auch sagen kann: Leider geil, leider limitiert, leider teuer. Und was es damit im Einzelnen auf sich hat, erfahrt Ihr in diesem Artikel :)

Porsche Design Utility Chronograph 1 – Limited Edition (2024)

Porsche Design Utility Chronograph 1 - Military re-issue Mankei

Der Porsche Design Utility Chronograph 1 kommt zwar erst im Januar 2024 in den Handel – ich durfte aber schon vorab einen Blick darauf werfen und für eine kurze Zeit einen Prototyp tragen – während eines Besuchs in der Schweizer Produktionsstätte (Solothurn). Das Ganze fand im Rahmen einer Pressereise* statt und war im Prinzip die Fortsetzung des ersten Trips. Wer mir auf Instagram folgt, der wird es vielleicht in den Stories und Reels gesehen haben.

Chronograph 1 – neue Modelle „Schlag auf Schlag“

Eine Sache, die mir generell aufgefallen ist: Porsche Design gibt in Sachen Produktveröffentlichungen – speziell auf Basis des 2022 neu aufgelegten Chronograph 1 (ZEIGR berichtete) – ordentlich Gas. Es kommt eine neue Variante nach der anderen auf den Markt. Mal mehr, mal weniger limitiert bzw. zugänglich. Denn mitunter gibt es den Chrono nur in Verbindung mit einem Wagen. Das ist hier zum Glück nicht der Fall.
Dieses Mal ist es eine (zivile) Neuauflage einer echten Militäruhr, die in den 70er und 80er Jahren so mancher Kampfpilot trug – bevorzugt am charakteristischen BUND-Band (Unterlagenband).

Porsche Design Utility Chronograph 1 - Military re-issue

Links: Porsche Design Military der U.S. Air Force (70er/80er Jahre). Rechts: Porsche Design Utility (2024) 

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Kautschukband orange Sinn 144 DLC  

Das Fortsetzen solcher Neuauflagen ist meist ein gutes Zeichen. Denn immer, wenn eine Uhrenmarke eine Modellreihe mit neuen Varianten ausbaut, bedeutet es meistens, dass es ziemlich gut läuft bzw. es sich um einen Bestseller handelt. Die Omega Speedmaster in ihren zig Varianten ist hierfür ein Paradebeispiel.

Allerdings hat es den Nachteil, dass mit einem solchen Erfolg beim uhrenkaufenden Publikum und wachsender Begehrlichkeit die Preise anziehen. Uhrenhersteller testen so gern mal die „Schmerzgrenze“ ihrer Kunden aus. Auch hierfür ist die Omega Speedmaster ein „gutes“ Beispiel.

Und wenn es um Preise geht, dann hat man als Uhrenblogger oder Journalist – zumindest nach meinem Verständnis – durchaus die Aufgabe, dies für seine Leser ein wenig einzuordnen. Das möchte ich gern auch bei diesem neuen Modell tun :)

Bevor wir aber zum schnöden Mammon kommen, schauen wir uns das gute Stück erst einmal in Ruhe an.

Chronograph 1 Utility Limited Edition – Impressionen

Porsche Design Utility Chronograph 1 - Military re-issue Porsche Design Utility Chronograph 1 - Military re-issue Porsche Design Utility Chronograph 1 - Military re-issue Rückseite - Mankei Porsche Design Utility Chronograph 1 - Military re-issue

Nach wie vor: Eines der schönsten Designs überhaupt. Und wichtig: Das historische Original stammt von Porsche – nicht von Sinn, wie es aktuell gern mal im Netz und in den sozialen Medien heißt.

Was auffällt: Das „Wappentier“ dieser Uhr ist ganz offensichtlich ein Murmeltier – auch Mankei genannt. Dabei handelt es sich um eine gleich doppelte Anspielung.

Das militärische Original der U.S. Air Force hatte einen brüllenden Tiger auf dem Zifferblatt, den das Murmeltier bei der zivilen und weitaus pazifistischeren Version einfach mal nachahmt – mit dem anfangs erwähnten Augenzwinkern:

Porsche Design Utility Chronograph 1 vs. U.S. Air Force Tiger

Gleichzeitig ist das Murmeltier eine Anspielung auf die von Ferdinand Porsche betriebene Mankei-Almhütte – ein Treffpunkt für Motorsport-Begeisterte (ZEIGR berichtete).

Wer diesen Zusammenhang nicht kennt, wundert sich natürlich, warum ausgerechnet dieser putzige Bergbewohner auf einer Porsche-Uhr zu finden ist. Man könnte auch sagen: Was Snoopy für die Speedmaster ist, das ist das Mankei wohl für den Porsche Chrono 1.

Auch sehr schön und nah am Original: Das rot eingekreiste „3H“ zwischen „1“ und „2 Uhr“. Es stand früher für das radioaktive Leuchtmittel Tritium (s. Wikipedia). Das kommt bei der Utility nicht mehr zum Einsatz. Dafür aber „TiC“. Das wiederum steht für kratzfeste und sehr leichte Gehäusematerial Titancarbid. Porsche Design hat hierfür sogar ein eigenes, recht aufwändiges, Produktionsverfahren entwickelt.

Das hatte ich Euch bereits an anderer Stelle kurz erläutert – darum zitiere ich mich mal selbst:

Das Stichwort lautet hier Sinterverfahren. Einfach erklärt: Aus einem Werkstoff-Pulver wird ein übergroßes Gehäuse gepresst, das anschließend bearbeitet und „gebacken“ wird. Dabei schrumpft es und erhält schließlich die gewünschte Größe und Härte.

Porsche Design Chronograph Titancarbid

Man könnte es sich in Sachen Produktion natürlich leichter machen. Möchte Porsche Design aber scheinbar nicht ;)

Und eine Sache, die mein Herz besonders erfreut – ein Schnellwechselsystem für Bänder:

Porsche Design Utility Chronograph 1 - Military re-issue

Soweit so gut. Was muss man noch zu dieser Uhr wissen?

Die wichtigsten Daten in der Übersicht:

Durchmesser: 42,7 mm (vs. 40,8 mm der All Black-Variante)
Werk: Porsche Design Kaliber WERK 01.240 (Basis: Concepto)
Glas: Saphirglas
Besonderheiten:  Titancarbid-Gehäuse, Gehäuseboden aus Titan, Chronograph mit Flyback-Funktion, Chronometer – COSC-Zertifikat

Armband: Echtes Porsche Fahrzeugleder und Textil, Wechselbandsystem, Titan-Edelstahl-Faltschließe mit Feinverstellung und schwarzer Titancarbid-Beschichtung

Limitiert auf 250 Exemplare

Preis: 11.950 Euro

Nun, das Gehäusematerial Titancarbid habe ich bereits erwähnt. Hinzukommt also ein Flyback-Chronographenwerk, das zudem als Chronometer zertifiziert ist. Und Swiss Made ist die Uhr ebenfalls.

Davon konnte ich mich selbst vor Ort in Solothurn überzeugen. Wo nicht nur die Fertigung des Chronograph  1, sondern auch die der anderen Modelle stattfindet:

Porsche Design Solothurn Fertigung Swiss Made COSC Zertifikate Porsche Design Solothurn Fertigung Swiss Made Porsche Design Solothurn Fertigung Swiss Made

Was hier ebenfalls stattfindet: Das Testing, Gravieren und Zusammenbauen individualisierter Modelle – mittels eines Konfigurators kann man sich vom Zifferblatt, über den Rotor bis zur Naht des Lederbands seine Wunschuhr zusammenstellen:

Porsche Design Solothurn Fertigung Swiss Made Porsche Design Solothurn Fertigung Swiss Made Porsche Design Solothurn Fertigung Swiss Made Porsche Design Solothurn Fertigung Swiss Made

Gut zu wissen: Porsche Design spricht zwar in seiner Kommunikation gern von einer Manufaktur in der Schweiz. Das stimmt. Bedeutet aber nicht, dass hier Manufakturwerke – im Sinne einer Eigenentwicklung und Fertigung – zum Einsatz kommen.

Es handelt sich vielmehr um Werke, die man beim Schweizer Hersteller Concepto in Auftrag gibt. Das ist in der Uhrenbranche üblich. Der Begriff „Manufaktur“ ist hier korrekt, gilt aber nicht für die Werke.

Porsche Design Chronograph 1 Utility – Große Liebe & Bauchschmerzen

Porsche Design Utility Chronograph 1 - Military re-issue Mankei

Kommen wir zum leidigen Thema Preis – und warum ich diese Uhr gleichzeitig liebe und sie mir dennoch beachtliche „Bauchschmerzen“ bereitet. Übrigens nicht nur mir.

Denn: Als ich die ersten Bilder und Instagram-Stories zur Utility gepostet hatte, erhielt ich darauf die eine oder andere Nachricht. Sie bezogen sich direkt auf den Preis. Die rund 12.000 Euro kamen nicht so gut an bzw. sorgte für lange Gesichter. Den Preis hatte ich übrigens nicht genannt, den müssen sich die Kommentatoren wohl ergoogelt haben. Erstes Interesse war also durchaus da – die Ernüchterung folgte dann wohl direkt darauf.

Und auch ein Blick ins berühmt-berüchtigte und superkritische Uhrforum bzw. Uhrforum.de (s. hier) zeigte, dass der Preis etwas „sauer“ aufstieß. Zwar finde ich, dass der Vergleich mit der Sinn 144 hinkt und der Vorwurf eines Plagiats o.ä. komplett fehlgeleitet ist (Sinn hat bei Porsche abgekupfert – nicht umgekehrt), was aber den Preis angeht… Nun ja, das kann ich nachvollziehen.

Natürlich finde ich es großartig, dass Porsche Design die Military-Variante der Orfina Porsche Design neu aufgelegt hat. Zumal ich Fan dieser Uhren bin. Diese Chronographen waren rund um den Globus als echte Militäruhren im Einsatz. Bei der U.S. Air Force, bei der deutschen Bundeswehr, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und vielen weiteren Luftstreitkräften.

Orfina Porsche Design Military 3H UAE Arabische Emirate

Vintage Orfina Porsche Design „UAE Air Force“ – Vereinigte Arabische Emirate

Und auch der (erhebliche) Aufwand, den man mit der Fertigung betreibt, unter anderem beim Titancarbid-Gehäuse, hat seine Kosten. Porsche geht hier mit einem wirklich hohen (technischen) Anspruch an das Thema Uhren ran. Und auch eine Fertigungsstätte in der Schweiz geht ins Geld. Alles nachvollziehbar. Ebenso, dass Porsche eine Luxusmarke ist und sich natürlich in einem bestimmten Preisumfeld bewegen muss. Genauer gesagt: Im Umfeld von Rolex, Omega & Co. und deren sportlichen Chronographen namens Daytona, Speedmaster & Co.

Porsche Design Utility Chronograph 1 - Military re-issue Mankei

Und dennoch. Würde mir jemand sagen: „Hier, 12.000 Euro – kaufe ausschließlich Porsche Design“. Dann würde meine Wahl doch eher auf das Schwestermodell „All Black – Numbered Edition“ fallen (s. All Black-Tipps).

Der Preis liegt bei „günstigeren“ 9.000 Euro. Klar, immer noch ordentlich viel Geld. Dafür bekommt Ihr aber hier eine Titanuhr mit Titanarmband (statt Leder). Zudem glaube ich, dass auch dieser Preis schon bald über 10K liegen wird (nur eine Vermutung, sollte man aber vielleicht in Betracht ziehen, wenn man sich für diese Modellreihe interessiert).

Die restlichen rund 3.000 Euro würde ich für eine Vintage Porsche Design Military ausgeben. Die bekommt man – sofern man sich ein wenig auskennt und Geduld mitbringt – auf ebay (Partnerlink/Werbung) zu diesem Preis. Dazu noch ein schönes Unterlagenband (aka BUND-Band), damit man auch wirklich den Military-Style bzw. Utility-Style am Arm hat. Auch eine schöne Option, oder? :)

Fazit:

Man möge mich bitte nicht falsch verstehen: Die Utility ist eine wunderschöne Uhr, das kann ich bestätigen. Sie macht sich wirklich gut am Arm und der „Haben-Wollen“-Faktor ist groß. Wer nach etwas Besonderem und Limitiertem im Stil eines Porsche Design Chronograph 1 sucht – und das entsprechende Budget mitbringt -, der ist hier natürlich richtig. Erst recht, wenn er keine Lust mehr auf sportliche und für einige schon „mainstreamige“ Luxus-Chronos wie Rolex Daytona oder Omega Speedmaster hat bzw. hierfür eine unauffällige und nicht ganz so häufige Alternative sucht.

Wer aber, wie ich, zwar großer Porsche-Fan ist, bei vier- und fünfstelligen Uhren-Preisen jedoch eher den Pragmatiker als den Hedonisten in sich hört, der wird wahrscheinlich ähnlich hin- und her überlegen, ob die Utility (oder doch ein anderer Chronograph 1) Einzug in die Uhrensammlung halten sollte. Kurzum: Einzig die Einstellung, der Anspruch und das eigene Portemonnaie entscheiden darüber, ob diese Uhr etwas für einen ist.

Und damit lautet das Fazit, wie auch bei jeder anderen Luxusuhr: Jeder wie er mag – und kann :)

Last but not least – ein paar Lese-Tipps:

Orfina Porsche Design – Vintage-Uhr mit Wertsteigerung? (Update 2020)

All Black: Schwarze Uhren – 5 „stealthy“ Tipps für jeden Geldbeutel

On Tour: Porsche Design Chronograph 1 GP 2023 – Mankei-Edition (und mehr…)

Porsche Design Chronograph 1 – 1972 Limited Edition

 

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