Neue Uhr: Seiko 5 Sports Automatic (2019) 

Seiko Sports 5 Automatic 2019 Titel
(Lesezeit: 4 Min.)

Zugegeben, ich bin ziemlich spät dran. Mittlerweile hat gefühlt jeder Uhren-Blogger und Youtuber über die neue Seiko 5 Sports Automatic berichtet. Der Hype und die Diskussion darum, ob diese Modellreihe der legitime Nachfolger der von Seiko-Fans innig geliebten SKX ist (oder nicht), waren groß. Der Normal-Leser fragt sich jetzt vermutlich: „Was ist SKX? Und muss ich das wissen?“

Die Antwort: Nicht wirklich. Es ist ein eingestelltes Modell, das die Seiko-Gemeinde massiv betrauert und ab sofort jede neue Seiko-Taucheruhr unter 300 Euro damit vergleichen (und bemängeln) wird. Wer mitreden möchte, die Stichworte lauten: Die neue Seiko 5 ist keine echte Taucheruhr, da nur 100 statt 200 Meter wasserdicht – und sie hat keine verschraubte Krone. Aber immerhin „Hacking“ (Sekundenstopp). Sprich, der Sekundenzeiger bleibt beim Ziehen der Krone stehen, das ermöglicht das sekundengenaue Einstellen der Uhr. Und: Man kann diese Automatikuhr mit neuerem Werk, namens 4R36, per Hand aufziehen – wenn man es möchte. Das ging bei der SKX bzw. dem alten Werk 7S26 nicht.

Seiko 5 Sports Automatik 2019 SRPD51K1

Seiko 5 Automatic 2019 Rückseite Glasboden Werk

Der Normal-Leser denkt sich nun wahrscheinlich weiter: „Aha. Schön. Das mit dem Werk, Hacking und der Handaufzugs-Option. Aber 100 Meter reichen doch locker für den Alltag, oder?“ Ja, natürlich. Und was bei dem ganzen Watch-Nerd-Geplänkel komplett untergeht, ist, dass Seiko hier mal wieder eine gelungene mechanische Uhr zu einem beachtlichen Preis-Leistungs-Verhältnis rausgebracht hat. Und das gleich in 27 (!) Varianten – teils „fancy“, teils im Military- oder Retro-Look. Unterteilt in fünf Modell-Linien: Street, Suits, Sports, Specialist und Sense. An Vielfalt mangelt es also nicht:

 


Fotos: amazon/Partnerlinks

Das eigentliche Highlight aber ist: Bereits ab 269 Euro seid Ihr dabei. – Tipp: Auf amazon (Partnerlink) findet Ihr die Uhr mitunter sogar günstiger.

 

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Und das ist wirklich beachtlich. Denn preislich ist das „Mode-/Lizenzuhren-Niveau“. Nur mit dem eklatanten Unterschied, dass Ihr hier keine günstig zusammengeschusterte Quarzuhr bekommt, sondern eine gestandene Automatikuhr mit Inhouse-Werk. Das Ganze basierend auf dem Know-how eines 1881 (!) gegründeten Uhrenherstellers (Wikipedia). Yepp, so lang ist Seiko schon dabei. – Und da fällt mir ein: Welchen Preis würde wohl die eine oder andere Schweizer Uhrenmarke, mit ähnlicher Historie, für so eine Automatikuhr und Inhouse-Werk aufrufen? Hm? ;)

Seiko 5 Sports Automatic – Konkurrenz für Microbrands?

Seiko 5 Automatik 2019

Ist diese Uhr nun perfekt? Ginge da nicht mehr? – Natürlich kann man an der neuen Seiko 5 Sports hier und da kritteln. Und bestimmt ginge da technisch mehr, um die Dauernörgler ganz Anspruchsvollen zufriedenzustellen. Aber dann wäre diese Uhr teurer und nicht mehr das junge, günstige Einstiegsmodell in die Taucheruhren-Welt von Seiko. Denn genau als solches ist sie konzipiert. Vielleicht soll sie sogar in Konkurrenz mit der einen oder anderen jungen Microbrand treten und im Preissegment unter 300 Euro Marktanteile sichern. Was andere namhafte Uhrenhersteller übrigens gerade komplett versäumen. Das Zeug dazu hat sie auf jeden Fall.

Aber zurück. Wer mehr erwartet und höhere Ansprüche an so eine Uhr hat, der muss halt zu den nächst teureren Taucheruhren greifen – wie z.B. die Prospex-Modelle Turtle, Samurai & Co. Die haben die gewünschten Fetaures und kosten entsprechend mehr. Dieses „gestaffelte“ Feature-/Preiskonzept ist von Seiko gewollt. Und aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung. Zumal die nächsthöhere Kategorie immer noch unter 500 Euro liegt. Dafür bekommt Ihr dann eine Taucheruhr für den professionellen Einsatz – zu erkennen an dem PADI-Logo (Professional Association of Diving Instructors) auf dem Zifferblatt. Also, wer (noch) mehr Taucheruhr und Features braucht, der muss eben ein oder zwei Hunderter drauflegen. Fair enough.

Alles gut, alles schön?

Nach all dem Lob – kommen wir zu ein paar Kritikpunkten: An der Verarbeitung und dem Gehäuse Seiko 5 Sports Automatic habe ich nichts auszusetzen. Vor allem das Gehäuse-Design ist aus meiner Sicht top – und seit Jahrzehnten bewährt. Einzig das Drehen und Klicken der Lünette könnte etwas besser und wertiger sein. Bei der mir zur Verfügung gestellten Seiko 5 war die Lünette für meinen Geschmack etwas zu schwergängig und das Klicken nicht so satt, wie ich es von anderen Uhren gewohnt bin.

Was das Metallband im Oyster-Stil angeht, so ist es zwar schön massiv und schwer, Begeisterung hat es aber nicht wirklich ausgelöst. Sagen wir mal so: Es ist OK. Ich verspürte aber immer wieder das Bedürfnis, ein anderes Band an dieser Uhr anzubringen. Auch um zu sehen, wie sich der Look dadurch verändert. Mein Tipp: Ihr bekommt diesen Diver auch mit Nato-, Silikon- oder Mesh-Band. Die wären tatsächlich eher meine Wahl bzw. Empfehlung.

Seiko 5 Sports Automatic 2019 Wristshot

Seiko Sports 5 Automatic 2019 Metallband Schließe

Fazit:

Man kann es recht einfach zusammenfassen. Wenn Euch eine der 27 neuen Seiko 5 schon vom Design gefällt, dann könnt Ihr hier wenig falsch machen. Ihr bekommt eine gute mechanische Uhr im Diver-Style zu einem bemerkenswerten Preis-Leistungs-Verhältnis: Bewährtes Gehäuse(-Design), solides Inhouse-Werk, stark leuchtende und hauseigene Leuchtmasse von Seiko (LumiBrite) auf den applizierten Indizes. Bei anderen Herstellern müsstet Ihr für eine vergleichbare Uhr wahrscheinlich das Doppelte auf den Tisch legen. Aus meiner Sicht ist die neue Seiko 5 ein guter und günstiger Einstieg in die Welt der mechanischen Taucheruhren bzw. Uhren im Diver-Style. Nicht mehr und nicht weniger. Was die Features angeht: Wenn Ihr kein Extremsportler, Hardcore-, Profi- oder Tiefseetaucher seid, dann werdet Ihr sehr wahrscheinlich Freude an der neuen Seiko 5 haben. Und schwimmen gehen könnt Ihr damit allemal – vielleicht sogar mal kurz untertauchen ;)

Und für alle, die sich Sorgen wegen des Durchmessers von 43 mm machen: Sie trägt sich wesentlich kleiner – eher wie eine 41-mm-Uhr. Das liegt neben dem Gehäuse-Design auch an der Länge der Uhr (Lug to Lug) von „nur“ 46 mm. Und was die Frage nach dem verbauten Hardlexglas (vs. Saphirglas) angeht, so habe ich schon öfter gelesen, dass dies durchaus ausreichend sei und seinen Dienst tut. Eigene Langzeiterfahrungen habe ich hier aber keine.

Soweit also meine Einschätzung zur neuen Seiko-5-Kollektion. Die genauen technischen Daten und Details findet Ihr weiter unten.

Und wenn Ihr wissen wollt, was es mit der ominösen „5“ und der Geschichte dahinter auf sich hat – hier entlang:

Fundstücke: (Retro-) Uhren unter 300 Euro

Und damit es nicht zu einseitig ist: Wer eine Alternative zu Seiko sucht, für den könnte dieser Artikel etwas sein:

Citizen-Uhren – eine gute Alternative zu Seiko?

 

Disclaimer/Transparenz: Seiko hat mir die hier vorgestellte Uhr zum Testen zur Verfügung gestellt und überlassen. Es gab keine redaktionelle Einflussnahme. Jegliche Einschätzung, Kritik und Bewertung fand unabhängig und nach bestem Wissen und Gewissen statt.

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Theodossios Theodoridis

6 Kommentare

  1. Sehr gut geschrieben. Das ist bestimmt eine top Uhr zum fairen Preis. Eine verschraubte Krone kann bei häufigem Uhrenwechsel und damit verbundenen neuen Stellen der Uhrzeit auch ein bissle nerven. Meine Langzeiterfahrungen mit Hardlexglas sind sehr positiv.

  2. Das Preis/Leistungsverhältnis ist wirklich gut bei, bei Seiko insgesamt und eben auch hier. Da können eigentlich nur einige China-Modelle mithalten (dort findet man auch erstaunlich „viel Uhr“ für – vergleichsweise – wenig Geld, zB Parnis).

    Wobei Seiko und Co sicherlich eine andere Qualitätskontrolle haben, von Namen und Image ganz zu schweigen.

    Zurück zur Seiko 5: Schade, dass sie nicht noch etwas kleiner sind. Selbst die gefühlten 41mm waren mir zu groß.
    vermeintliche Trend zu kleineren Uhren verläuft doch sehr schleppend :-)

    Ich habe eine 20 Jahre alte Fossil, die ich bis zu meinem Uhrenwahn bis vor ein paar Jahren täglich trug. Das Hardlex (wenn auch sicherlich etwas anders als bei Seiko) hat kaum Kratzer… Da steckt vielleicht auch immer etwas Marketing dahinter, wenn Saphir groß beworben wird? Vielleicht wäre das Thema einen Artikel wert… Mich würde hardlex von Seiko nicht von einem Kauf anhalten. Zur Not tauscht man es irgendwann.

    Schöner Beitrag, wie immer!

    • Vielen Dank! :)
      In das Thema Saphirglas vs. gehärtetes Mineralglas (wie Hardlex) müsste ich mich tatsächlich selbst mal einarbeiten.

      Und wer seine Seiko unbedingt mit Saphir braucht: Auf diversen Customizing bzw. Modding-Seiten findet man die Gläser in zig Varianten (z.B. für die SKX) zu Preisen von 30-60 Euro. Und der Einbau dürfte bei einem freien Uhrmacher auch nicht die Welt kosten :)

  3. Ja, eben… Und das umrüsten kann man dann für den Preis noch immer machen, wenn das hardlex verkratzt ist. Es sei denn, die optischen Eigenschaften der unterschiedlichen Gläser würden sich auch merklich unterscheiden… ;-)

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