Klare Sache: Die Stowa Marine-Uhr

Moin! Müsste ich einer norddeutschen Stadt wie Hamburg eine Uhr zuordnen, dann wäre die Stowa Marine in der engsten Auswahl. Sie ist klar – ohne Firlefanz. Hat dafür aber jede Menge Understatement und einen direkten Bezug zur Seefahrt. Kurzum: Sie ist irgendwie hanseatisch. Und wie bei so manchem Hanseaten erkennt man das Besondere und die Feinheiten erst auf den zweiten Blick. Ein genaues Hinschauen lohnt sich also bei dieser mechanischen Uhr aus deutscher Produktion. Genauer gesagt kommt sie aus Engelsbrand, in der Nähe der Uhrenstadt Pforzheim, wo die 1927 gegründete Uhrenschmiede Stowa ihren heutigen Sitz hat.

Gut, dann machen wir das doch mal – etwas genauer hinschauen:

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Stowa Marine - mit Schweizer Automatikwerk (ETA 2824-2)

Stowa Marine Feinheiten -Logo auf der Doppelfaltschließe (gegen Aufpreis)

Copyright: zeigr.com | T. Theodoridis

Maritimer Strahlemann mit klarer (Zeit-)Ansage 

Zugegeben, die Stowa Marine-Uhr fällt aufgrund ihres strahlend weißen Zifferblatts und den großen schwarzen Ziffern doch ein wenig auf  – ist aber niemals unangenehm oder aufdringlich dabei. Es mag auf den Fotos vielleicht nicht so rüberkommen, aber das Zifferblatt ist derart hell und gut abzulesen, dass ich selbst bei ordentlicher Dämmerung keine Probleme damit hatte, die Uhrzeit zu erkennen. Und das obwohl die Uhr keine Leuchtzeiger hat. Oder zum Glück, weil man sonst nicht in den Genuss der temperaturgebläuten Zeiger in antiker Birnenform kommen würde. Eine jener Feinheiten, die man mitunter erst auf den zweiten Blick richtig wahrnimmt und zu schätzen weiß. Das Bläuen (Erhitzen) der filigranen Zeiger ist übrigens eine Kunst für sich. Sowohl die Dauer als auch die Temperatur müssen bei diesem Vorgang stimmen. Andernfalls erhält man nicht die edle und gleichmäßige Blaufärbung.

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Marine-Uhren und Chronometer

Natürlich trägt die Stowa Marine nicht ohne Grund ihren maritimen Namen. Das Design dieses Modells bzw. der ganzen Marine-Reihe ist an eine Taschenuhr angelehnt, die Stowa in den 40er Jahren für die deutsche Marine produzierte. Der Einsatz war damals definitiv kriegerischer Natur – doch dafür können weder die Uhr noch das selbst aus heutiger Sicht gelungene Design etwas. Wer sich generell für das Thema Marine-Uhren bzw. Chronometer interessiert – hier entlang.

Und das schreibt Stowa zur Marine-Uhr:

„Die Geschichte der STOWA Marineuhr – von der Original Uhr wurden nur 288 Stück gebaut. Deck- bzw. Beobachtungsuhren waren auf Schiffen sehr wichtig. Sie dienten zum einen der Zeitanzeige auf Deck, wurden jedoch auch zum Zeitabgleich mit der Seewarte benutzt. Diese Uhren waren sehr gut abzulesen und häufig waren die Zifferblätter komplett mit Leuchtmasse belegt. Um die Uhren zu schützen, kamen extra angefertigte Holzkästen (oft wasserdicht und stoßgeschützt) zur Verwendung. Diese Beobachtungs-Uhr wurde von den Offizieren der Marine zur Unterstützung bei der Navigation benutzt. Verchromtes Metallgehäuse mit 57 mm Durchmesser, Glasboden, Leuchtzifferblatt mit kleiner Sekunde und Zeiger aus gebläutem Stahl. (…)“

Von der Deckuhr zur Taschenuhr – von der Taschenuhr zur Armbanduhr

So wie es aussieht, verlief die Entwicklung von der recht großen Deckuhr zur praktischeren Taschenuhr – und letztendlich zur Armbanduhr. Im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen hat die moderne Stowa Marine-Uhr kein Leuchtzifferblatt. Was ich aus ästhetischen Gründen sehr befürworte. Eine gelb-grünliche Färbung bzw. das Leuchten des kompletten Zifferblatts hätte irgendwie nicht zum reduzierten und im positiven Sinne schlichten Auftritt dieser Uhr gepasst.
Aber: Man kann im Stowa Online-Shop immerhin wählen, ob man die Marine „Datum“ mit weißem oder lieber silbernem Zifferblatt haben möchte – und zwar aus massivem 925/000er Silber (dem sog. Sterling Silber). Das allerdings gegen Aufpreis, der die Uhr schon in die Nähe der 1.000 Euro bringt. Wer mehr als 300  Euro unter dieser Preismarke bleiben möchte, entscheidet sich für die bezahlbare weiße Basis-Variante. Sie ist auf jeden Fall eine gute Wahl in Sachen Preis-Leistung.

Das Werk: 

Im Inneren der Stowa Marine schlägt ein ETA-Automatikwerk 2824-2. Und auch hier kann man wählen: Man kann es in der Standard- oder zu einem Aufpreis von 80 Euro in der in der TOP-Variante haben. Wer das TOP-Werk gern mit gebläuten Schrauben – passend zu den blauen Zeigern – haben möchte, der darf  130 Euro zum Basispreis dazurechnen.

Die mir zur Verfügung gestellte Uhr hatte „nur“ das Basiswerk – das kann sich aber ohne weiteres sehen lassen:

Der Preis: 

Wie bereits angedeutet, kann man auf der Stowa-Website seine Uhr gewissermaßen selbst zusammenstellen. Wer die Marine-Variante mit Datum, weißem Zifferblatt, Basis-Werk und einfachem Lederband nimmt, zahlt 640 Euro. Ein absolut fairer Preis für eine Uhr dieser Qualität.

Mit einem etwas edleren Kroko- (siehe Bilder) oder Milanaise-Band (Edelstahl) kostet sie ab 760 bzw. 770 Euro. Wer es etwas individueller mag, der kann sich für 49 Euro noch den Rotor gravieren lassen und für 35 Euro die normale Schließe gegen eine Doppelfalt- bzw. Schmetterlingsschließe austauschen lassen.

Wie gesagt, bei der Marine handelt es sich um eine ganze Reihe. Die hier vorgestellte Uhr habe ich vor allem ausgewählt, weil sie in der Basis-Version deutlich unterhalb der 750-Euro-Marke liegt. Die anderen Modelle, wie zum Beispiel die Marine Original mit dem Handaufzugswerk Unitas 6498 liegt schon über 1.200 Euro. Hier eine Übersicht der gesamten Marine-Reihe.

Fazit: 

Wer sich von den vielen verfügbaren Extras wie Top-Ausführung des Werks, Krokolederband, silbernem Zifferblatt, Gravur, Schmetterlingsschließe etc. nicht verführen lässt und die Stowa Marine in der Basis-Version kauft, der bekommt eine wirklich gelungene mechanische Uhr aus deutscher Produktion. Inklusive einer eigenen Historie. – Wer aber den Versuchungen nicht widerstehen kann, muss damit rechnen, dass er – je nach gewähltem Modell – schnell bei 1.000 Euro und mehr landet.

Dennoch: Es ist  schön zu sehen, dass Stowa es einem ermöglicht, vergleichsweise preiswert in die Welt der mechanischen Uhren dieser Kategorie und Qualität einzusteigen. Zumindest hat man die Wahl, ob und wie weit man sich im drei- bis vierstelligen Bereich bewegen möchte. Es gibt genügend Uhrenhersteller, bei denen man diese Wahlmöglichkeit nicht mehr hat. Leider. Der Einstieg liegt dann einfach mal bei mindestens 1.000 Euro – meistens sogar mehr.

 Meine persönlichen Pluspunkte dieser Uhr:

  • strahlend weißes, klares und gut ablesbares Zifferblatt
  • gebläute Zeiger in antiker „Birnenform“
  • bewährtes Schweizer Automatikwerk ETA 2824-2 – einsehbar durch den Glasboden
  • gesamte Verarbeitung der Uhr macht einen guten Eindruck

Natürlich erwartet man nun, dass an dieser Stelle etwas Negatives kommt. Aber tatsächlich ist mir kaum etwas aufgefallen. Und wenn, dann sind es Kleinigkeiten und persönliche Befindlichkeiten. Zum Beispiel wirkt die Uhr größer als man es bei 40mm Gehäusedurchmesser erwarten würde. Für sehr schmale Handgelenke ist das eher nichts – für normale bis breite jedoch von Vorteil. – Oder: Das Stellen des Datums bzw. das Herausziehen der Krone bis zum richtigen Punkt erfordert ein wenig Feingefühl. Weiß man das, dann ist es kein Problem. Wie gesagt, Kleinigkeiten, die den positiven Eindruck dieser Uhr nicht schmälern.

Zusammengefasst: Wem die Stowa Marine auf den ersten Blick gefällt, den wird auch der zweite Blick nicht enttäuschen. Sie hält einfach das, was sie verspricht. Da ist sie ganz hanseatisch.

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Vintage-Tipp: Stowa baut seit 1927 Uhren und es lohnt sich definitiv, auch mal nach etwas älteren Modellen Ausschau zu halten. Wer nun Lust hat, nach gebrauchten und Vintage-Uhren von Stowa zu stöbern , der findet hier sicherlich etwas (Partner-Links*). Auch hier bewegen sich die Preise dieser Uhren in einem moderaten Bereich.

Hinweis: Die zur Verfügung gestellte Uhr ging nach dem Schreiben dieses Artikels wieder an den Hersteller zurück. Alle Äußerungen und Einschätzungen sind unabhängig und beruhen auf einem mehrwöchigen Tragen und Testen der Uhr. 

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Technische Details & Co – die Stowa Marine „Datum“ in der Übersicht: 

Durchmesser:  40.00 mm

Höhe:  10.20 mm

Bandbreite:  20 mm

Bandanstoß zu Bandanstoß:   48.60 mm

Wasserdicht:  bis 5 ATM

Gewicht:  70 gr. (Lederband), ca. 120 gr.(Metallband Milanaise)

Gehäuse:  Edelstahl poliert

Zifferblatt:  weiss hochglanz lackiert, schwarz bedruckt

Gläser:  oben gewölbtes und unten flaches Saphirglas, innen entspiegelt

Zeiger:  Stahl gebläut (Temperaturgebläut!)

Band:  verschiedene Lederbänder und Metallband Milanaise verfügbar

Krone:  Edelstahl mit STOWA Logo

 

Werk:

Kaliber:  ETA 2824-2

Antrieb:  mechanisch, Automatikaufzug

Halbschwingungen pro Stunde: 28 800 A/H

Funktion:  Stunde, Minute, Zentralsekunde sowie Datumsanzeige

Gangreserve:  mind. 40 Stunden

Anzahl der Steine im Uhrwerk:  25 Rubine

Finish:  rhodiniert, gebläute Schrauben, vergoldete STOWA Gravur auf Rotor

Besonderheiten: verschraubter Boden, echt gebläute Zeiger aus Stahl

 

*Partner-Link – was ist das?

Theodossios Theodoridis

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