Wer hat´s erfunden? Uhren mit Kante – Citizen vs. Tissot vs. Rolex

Citizen Automatik NJ0150-81L Tsuyosa Collection
(Lesezeit: 3 Min.)

Wenn es um Uhren-Designs geht, dann kopieren (ideenlose) Uhrenmarken bei ihren Mitbewerbern, was das Zeug hält. Das war früher schon so – und es wird auch in Zukunft zu sein. Ich mein, bei SUVs ist es ähnlich. Aus der Ferne und in der Silhouette  sehen sie (fast) alle gleich aus. Da scheint irgendwie dieselbe Design-Inspiration gleich bei mehreren Herstellern eingeschlagen zu haben ;)

Nicht viel anders verhält es sich bei Uhren. Schwierig wird es aber dann, wenn Uhrenfans anfangen, einzelne Hersteller in den sozialen Medien des Kopierens zu bezichtigen – dabei aber selbst auf eine Kopie als vermeintliches Original verweisen…

Genau das habe ich neulich lesen dürfen. Da prangerte jemand Citizen an, das Uhren-Design der neuen Tsuyosa-Reihe…

Citizen NJ0150-81X Tsuyosa Collection

CITIZEN Neuheiten 2022 Inhorgenta

Citizen Automatik NJ0150-81L Tsuyosa Collection

Citizen Tsuyosa-Reihe, Automatik, ca. 300 Euro, erhältlich u.a. auf ebay (Partnerlink) 

  Uhrenwerkzeug Lese-Tipp  

…von der Tissot PRX geklaut zu haben…

 

Tissot PRX – erhältlich u.a. auf amazon als Automatik  & Quarz-Modell  (Partnerlinks) 

Nun ja. Der Einwand an sich und der zeitliche Ablauf mögen ja auf den ersten Blick stimmen – die PRX (2021) erschien vor der Tsuyosa (2022).

Aber: Tissot bzw. die Swatch Group haben selbst einen Favoriten, wenn es um das Thema Kopieren Design-Inspiration geht. Damals wie heute.

Konkret: Die PRX ist zwar die Neuauflage einer Tissot Seastar Ende der 70er Jahre, war aber damals schon kein „Original“. Denn das kam dann doch eher von Rolex. Da kann sich Tissot noch so sehr als „Innovator by Tradition“ in der eigenen PRX-Pressemitteilung bezeichnen.

Dasselbe gilt übrigens auch für die Tissot Gentleman – einer gelungenen Rolex-Hommage:

Tissot_Gentleman Powermatic 80 Silicium_T127_407_11_041_00_DETAIL.1_UVP790Euro

Tissot Gentleman – Rolex-Hommage unter 1.000 Euro. Erhältlich u.a. auf amazon – Partnerlink

Aber zurück. Von welchem Rolex-Modell hat sich denn nun Tissot bei der PRX bzw. der damaligen Seastar inspirieren lassen?

Richtig, von der Rolex Oysterquartz, die – oh Wunder – wie die Mutter der beiden oben gezeigten Modelle aussieht:

 

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Rolex Oysterquartz – Vintage-Uhr, zu finden u.a. auf ebay (Partnerlink)

Und nun das Wichtigste: Laut meinen Recherchen stammt die Rolex Oysterquartz aus dem Jahr 1977 (evtl. sogar noch früher) und die ihr stark ähnelnde Tissot Seastar (PRX) aus dem Jahr 1978.

Also zurück zur Ausgangsfrage: Wer hat´s erfunden?  – Die Antwort: Wohl doch eher Rolex :) – Oder Gerald Genta, denn der war in den 70er Jahren maßgeblich dafür verantwortlich, dass solche Stahluhren – mit integrierten Bändern und in einem gewissen „Industrial-Style“ – auf den Markt kamen. Die Royal Oak (1972) von Audemars Piguet ist wohl DAS Paradebeispiel, wenn es um Stahluhren mit Kante geht:

Audemars Piguet Royal Oak Stahluhr mit Kante von Gerald Genta

Und: Genta hat auch für Rolex gearbeitet… das nur als Info am Rande :)

Und wer hat den „Uhren mit Gehäusekante“-Kopier-Trend ausgelöst?

Nun ja, da würde ich mal stark auf Timex tippen. Denn die haben bereits 2019 mit der Q Timex – einer Mischung aus Rolex GMT Pepsi (Zifferblatt & Lünette) und Oysterquartz (Gehäuse mit „Kante“) – ebenfalls ein Modell „aus dem eigenen Archiv“ neu aufgelegt. Das wiederum war aber schon in den späten 70er Jahren eine eindeutige Rolex-Hommage:

 

Q-Timex TW2T80700 Beauty 06_RGB_HiRes

Q Timex mit Pepsi-Lünette und Gehäusekante – erhältlich u.a. auf amazon 

Soweit also meine Gedanken zum Trend „Uhren mit Kante“ und der Frage „Wer hat´s erfunden?“.

Wer darüberhinaus noch sachdienliche und uhrenhistorische Hinweise hat – nur zu. Man lernt ja nie aus :)

Nachtrag:

Bei der Rolex-Tochter Tudor findet Ihr die Stahl-Kante zur Zeit ebenfalls wieder. Leicht abgewandelt und erst auf den zweiten Blick – bei der Royal-Reihe (siehe Website).

Und dann wäre da noch das bereits eingestellte Modell North Flag aus dem Jahr 2015 (s. ebay -Partnerlink). Das flog schon immer ein wenig unter dem Radar – und wäre auch mir beinahe entfallen:

Tudor North Flag – nicht mehr erhältliches Modell, Preise siehe ebay (Partnerlink)

 

Lese-Tipps – passend zu diesem Artikel:

Tissot Gentleman Powermatic 80 Silicium – eine Rolex-Hommage?

Inhorgenta Munich 2022 – Uhren-Neuheiten & Impressionen (Live-Fotos)

Unboxing: Q Timex Reissue – „Poor Man’s GMT Pepsi“

 

Zum Titel: 

„Wer hat´s erfunden?“ (Ricola TV-Spot): https://www.youtube.com/watch?v=zAoDzIsx03E  ;) 

 

*Partnerlink – was ist das?

Theodossios Theodoridis

4 Kommentare

  1. Eigentlich wäre das Thema eine passende Gelegenheit, auch mal den Aspekt „Hommage-Uhren“ bei großen Markenherstellern anzusprechen. Es sind eben nicht nur die Steinhardts dieser Welt, die sich am fremden Design bedienen. Auch Seiko bedient sich immer mal wieder schamlos am Oyster-Design inkl. geriffelter Lünette. Über Gründe kann ich nur mutmaßen, aber eine große Rolle scheinen diese Modelle stückzahlmäßig auch nicht zu spielen. Dennoch: Seiko und Citizen sind da keinen Fatz besser, sogar bei Omega gab es Modelle, die auf den ersten Blick oyster-inspiriert zu sein scheinen. Ok, nun ist die Oyster ja insgesamt ja eine Uhr wie aus dem Lehrbuch, abgesehen von der evtl. Datumslupe so, wie man eine Uhr halt so baut. Wenn man nicht gerade für Richard Mille, Urwerk oder andere Krawallmarken designed. Aber es fällt auf, dass ausgerechnet solche Elemente wie eben diese Datumslupe oder die geriffelte Lünette kopiert werden. Von Marken, die das überhaupt nicht nötig haben. Im Fotosektor haben die Japaner schnell gemerkt, dass man die Sache mit dem Design besser anderen Nationen überlässt. Italien z.b. Obgleich beim diesbezüglich Einflussreichsten nur der Name italienisch klingt: Enrico Colani, der via Canon T90 / Eos 1 u.s.w. die Bauform moderner Kameras bis heute prägte.
    Aber zurück zu den Uhren: Es ist schäbig, was da kopiert wird, aber es ist auch schwierig, völlig eigenständig zu bleiben. Wirklich neu ist nix mehr.
    Interessant wäre auch noch die Frage, warum die Oysterquarz erst so spät zu Ehren kam. Von den ganzen eindeutlich Genta-beeinflussten Uhren gefällt mir die Rolex noch am besten. Die aber ausgerechnet zu Lebzeiten völlig verkannt wurden, wo sie äußerlich absolut dem Zeitgeist entsprachen. Das muss man nicht verstehen. Ok, heute wird alles gekauft, was ne Krone hat. Und dass ne Bicolor-Oysterquartz teurer gehandelt wird, als ne Stahlgold-Datejust derselben Zeit, ist ein Treppenwitz, aber wahr. In den späten 70ern waren Genta-APs noch Ladenhüter. Heute, wo jedenfalls ich der Optik nix abgewinnen kann, werden diese Uhren gehyped. Vielleicht habe ich auch nur ganz schlechten Geschmack ;-)

  2. Mega, genau die Uhren (Citizen und Tissot) habe ich mir vor ein paar Tagen erst angesehen. Die gelbe Citizen ist vorgemerkt 👍🙂

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