Fundstücke: Vintage-Uhren kaufen – immer noch eine gute Idee? (2024)

(Lesezeit: 7 Min.)

Ja, Eigenlob stinkt. Aber es hilft ja nichts: Wer ZEIGR die letzten 10 Jahre gelesen hat, der hat hier ziemlich gute und vorausschauende Tipps erhalten, wenn es um das Thema Vintage-Uhren kaufen geht. Und das zu Zeitpunkten, als es keineswegs als „Nobrainer“ oder gute Idee galt, sein Geld in alte und gebrauchte Uhren zu stecken.

Denn den heutigen Uhren-Hype gab es damals noch nicht. Und schon gar nicht im Mainstream bzw. auf Youtube, Instagram, TikTok & Co. Ganz im Gegenteil. Vor 1o bis 15 Jahren waren Uhren und deren (mögliche) Wertsteigerung ein Rand- und Nischen-Thema, das in einigen Blogs und Foren stattfand. Und selbst dort, hielten einige „alte Hasen“ rein gar nichts davon, Uhren mit Wertsteigerung in Verbindung zu bringen. Obwohl die Anzeichen dafür da waren und von Jahr zu Jahr zunahmen.

Omega Speedmaster Mark II

Als ich also 2013 ZEIGR gründete und in ersten Artikeln (z.B. hier) und auch im Alltag berichtete, dass meine Vintage-Uhren – die ich damals schon bis zu 10 Jahre in der Sammlung hatte –  auffallend im Wert gestiegen seien und weitere „Vintage-Uhren kaufen“-Tipps gab, hat man mich nicht selten ungläubig angeschaut und meine (Gast-)Artikel entsprechend spitz kommentiert.

Und es waren keineswegs nur Freunde, Bekannte und Laien, die so reagierten, sondern auch Blogger-Kollegen und „Experten“. Genau diese Klugsch... Kollegen und Experten seien an dieser Stelle herzhaft gegrüßt. Im Rückblick lagen sie reichlich daneben – und sind ziemlich schnell verstummt. Wahrscheinlich hatten sie genug damit zu tun, selbst noch eilig ein paar Uhren zu kaufen, damit sie den Anschluß nicht komplett verpassen. Womöglich basierend auf und inspiriert von ZEIGR-Tipps. Nun ja. Jeder, wie er kann…

  Uhren-Tipps unter 500 Euro  

Hier ein paar Beispiele, welche Vintage-Uhren ich Euch in den letzten Jahren hier vorgestellt habe:

Dazu kamen noch viele weitere Tipps. Ihr findet sie in der Rubrik Fundstücke bzw. unter dem Stichwort „Vintage-Uhren kaufen„.

Schaut gern selbst in den einzelnen Artikeln nach, zu welchen Preisen ich Euch diese Uhren vorgestellt habe – und wo sie heute stehen. Und urteilt dann selbst. Bei aktualisierten Artikeln (z.B. Omega Speedmaster Moonwatch als neue und Vintage-Uhr) müsst Ihr übrigens ans Ende schauen – dort findet Ihr das Datum der Erstveröffentlichung.

Man kann aber festhalten: Wer diesen Tipps – meist aus der „zweiten Reihe“ und jenseits der naheliegenden Rolex-Klassiker Submariner, Daytona, GMT & Co. – gefolgt ist, der hat nicht nur ein paar schöne und interessante Uhren in seiner Sammlung, sondern auch die eine oder andere Wertsteigerung mitnehmen können. Mal mehr, mal weniger. Und das trotz der aktuell wieder fallenden bzw. sich nach dem Hype normalisierenden Preise. Ein schöner Nebeneffekt, oder?

Und wie gesagt: Als ich Euch diese und andere Uhren ans Herz gelegt bzw. das eine oder andere angedeutet habe (z.B. Tudor Black Bay 79220N als noch recht neue Uhr mit ETA-Werk, Rosen-Logo und Smiley-Zifferblatt), war es keineswegs für jeden ersichtlich, in welche Richtung sie sich entwickeln könnte.

Oder um es mit den Worten eines Lesers zu sagen, der den besagten Tudor-Artikel später kommentiert hat:

Jetzt ist der Artikel 5 Jahre alt, und die Prophezeiung hat sich erfüllt: Tatsächlich werden die ETA-Bays deutlich über dem Kaufpreis der Neuen gehandelt…

Tja, nun :)

Übrigens: Alle oben genannten Uhren-Tipps stammen aus meiner eigenen Sammlung – und dort befinden sie sich heute noch.

Es ist allerdings schon eine ganze Weile her, dass ich eine Vintage-Uhr gekauft habe. Und das, obwohl sich eine ziemlich lange Such- und Beobachtungsliste über die letzten Jahre angesammelt hat. An Auswahl mangelt es sicherlich nicht.

Der Grund für meine bisherige Zurückhaltung ist vielmehr: Die Preise waren aus meiner Sicht einfach zu hoch. Zum Glück ändert sich das gerade ein wenig.

Günstige Vintage-Uhren kaufen – geht das noch?

Rolex Precision Oysterdate Referenz 6694 - Vintage Uhren kaufen -

Das Thema (Vintage-)Uhren und Wertsteigerung hat in den letzten Jahren leider recht groteske Züge angenommen. Und das auf mehreren Ebenen. Die Preise von einigen Modellen stiegen in absurdem Tempo und Ausmaße – und leider zogen dadurch auch die Preise der von mir bevorzugten Modelle aus der „zweiten Reihe“ an.

Nicht selten fragte ich mich: „Wer zahlt das? Und warum?“

Die Antwort kann ich mir natürlich selbst geben: 1.) Menschen mit zu viel Geld 2.) Ahnungslose & Hype-Opfer und 3.) extrem gierige Menschen, die Uhren einzig und allein als Rendite-Vehikel sehen. Gern auch all das in Kombination.

In der Uhrenbranche und Uhren-Community hat dies zu einigen nicht ganz so schönen Entwicklungen geführt. Wer etwas länger dabei ist, der weiß, was ich meine.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Gibt es noch Vintage-Uhren, die man zu guten Preisen bekommt? Und wenn ja, welche?

Gleich vorweg: Zum jetzigen Zeitpunkt und bei den folgenden Uhren-Tipps von „günstig“ oder von einem „guten Investment“ zu sprechen, fällt mir schwer. Vielmehr würde ich sie in die Kategorie endlich wieder auf einem vernünftigem bzw. angemessenen Niveau einordnen.

Für mich bedeutet dies, dass ich mich wieder etwas länger mit dem Thema Vintage-Uhren kaufen beschäftige und hier und da überlege, ob ich nicht doch mal wieder eine zulegen könnte… :) Wie gesagt, meine Such- und Beobachtungsliste hat über die letzten 10 Jahre einen beachtlichen Umfang erreicht.

Und welche Vintage-Uhren schaue ich mir nun an bzw. würde ich nennen, wenn mich jemand heute nach einem guten Vintage-Tipp fragen würde?

Nun, die folgenden zum Beispiel:

Tipp #1: Vintage Uhren kaufen – Omega Seamaster Diver 300M Professional – James Bond

 

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Eigentlich sind solche Hype- und Testimonial-Uhren nicht mein Fall. Denn: Diese Seamaster trägt eindeutig das Label „James Bond“ und ist für mich seit den 90er Jahren so was von Mainstream. Und zwar so sehr, dass ich sie mir nie wirklich (neu) kaufen und umbinden wollte. Ganz zu schweigen von den Preissteigerungen der letzten Jahre, die sie mittlerweile auf beachtliche 6.500 Euro für das einfache Stahlmodell in 42 mm gebracht haben.

Sehr viel „gnädiger“ werde ich aber, wenn ich mir die älteren bzw. die ersten Seamaster-Modelle der ersten Produktionsjahre vor 2000 anschaue. Insbesondere jene, deren Original-Tritium-Zifferblätter, Zeiger und sogar Lünetten mittlerweile sehr schön gealtert sind.

Die Kombination der vanillle-gelben Leuchtmasse (statt weiß) und dem blauen Zifferblatt – das hat schon was. Und lässt mich sogar das 90er-Jahre-Stahlarmband vergessen.

Das Band trägt sich garantiert angenehm, würde ich aber sofort und als Erstes gegen ein anderes tauschen. Zum Beispiel gegen ein Kautschukband oder Nato-Strap. Denn dieser Boomer-/Altherren-Vibe des mehrgliedrigen Stahlbands ist so gar nicht meins. Pierce Brosnan konnte das sicherlich tragen – aber auch nur, weil er Pierce Brosnan ist und einfach alles tragen kann :)

Und nun das Beste: Statt 6.500 Euro für eine neue Seamaster zahlt Ihr hier aktuell – je nach Zustand und Lieferumfang – Preise zwischen 2.000 und 3.000 Euro auf ebay (Partnerlink/Werbung). Das gilt zumindest für die aktuellen Auktionen/Verkäufe der Automatik-Variante in 41 mm.

Ihr zahlt also weniger als Hälfte eines neuen Modells.

Preislich ist das in meinen Augen absolut OK. Zumal dieser Chronometer das Zeug zum Klassiker hat – oder sogar schon ist. Nicht zuletzt wegen des hohen Wiederkennungswertes und des markanten Heliumventils auf „10 Uhr“. Und ja, auch wegen James Bond :)

Von der Seamaster 300M gibt es zudem zig Varianten – diverse Durchmesser und Zifferblatt-Farben. Von einer Quarz-Version (s. ebay – Partnerlink/Werbung) bis hin zum Chronographen (s. ebay – Partnerlink/Werbung).

Kurzum: Ihr habt hier reichlich Auswahl – es muss nicht zwingend die klassisch blaue James-Bond-Variante sein.

James Bond Omega Seamaster 1995-2020 - automatic herrenuhr eta edelstahl

Fun Fact am Rande:

Die Quarz-Variante (oben links, s. auch ebay – Partnerlink/Werbung) war die erste Omega Seamaster, die Pierce Brosnan 1995 in Goldeneye trug. Ab 1997 und „Tomorrow never dies“ waren es dann die Automatik-Modelle (oben rechts, s. ebay – Partnerlink/Werbung).

Mehr zur Historie von James Bond und der Seamaster erfahrt Ihr auch hier.

Und noch ein paar allgemeine Tipps in Sachen Vintage-Uhren kaufen, Revision & Co.:

Bitte prüft und recherchiert den Verkäufer/Händler, Bewertungen und Co. ausgiebig. Und kauft am besten mit Echtheitsprüfung (z.B. bei ebay), als Certified Pre-Owned (CPO) oder einem ähnlichen „Siegel“. Das gibt Euch zumindest ein wenig mehr Sicherheit. Uhren aus Privatbesitz sind übrigens meist etwas günstiger, Händler etwas teurer.

Solltet Ihr ein Modell mit Tritium-Zifferblatt und Zeiger gekauft haben und die Uhr irgendwann einmal eine Reparatur oder Revision benötigen, bringt sie wenn möglich nicht zu Omega bzw. der jeweiligen Marke.

Nicht nur, dass man Euch dort mit hoher Wahrscheinlichkeit das Tritium-Zifferblatt und die Zeiger austauschen wird (was den Sammler-/Wiederverkaufswert reduziert), man wird Euch auch nicht gerade wenig Geld dafür abknöpfen. Und wenn Ihr Pech habt, dann dreht man Euch selbst bei kleineren Reparaturen eine (mitunter unnötige) Revision an. Zumindest ist das meine eigene und sehr ernüchternde Erfahrung.

Mein Tipp lautet darum: Geht lieber zu einem freien Uhrmacher, der auf die jeweilige Marke spezialisiert ist, im besten Fall jahrzehntelange Erfahrung mit Vintage-Uhren und die entsprechenden Ersatzteile hat bzw. an sie herankommt. Und wenn ein Werk auf ETA-Basis in Eurer Uhr arbeitet (so wie bei der Seamaster oben und dem nächsten Tipp), dann sollte wirklich jeder Uhrmacher eine Reparatur/Revision ohne größere Probleme und Kosten hinbekommen.

Einzig beim Aufarbeiten der Gehäuse solltet Ihr zu reinen Spezialisten mit wirklich viel Erfahrung bei einzelnen Marken und Modelle und dem entsprechenden Equipment gehen.

Tipp #2: Tudor Oysterdate Chronograph „Small Block“ Ref. 79260 & Co. – die Rolex Daytona-Alternative

 

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Oben erwähnte ich ja bereits, dass ich gern mal Uhren aus der „zweiten Reihe“ ins Visier nehme. Bei diesem speziellen Tudor-Modell handelt es sich sogar um die „dritte Reihe“.

Denn eigentlich gilt die sogenannte Tudor Oysterdate Big Block mit den Referenzen 79160, 79170 und 79180 (s. ebay – Partnerlink/Werbung) als die erste Wahl, wenn es um eine Alternative zu einer Vintage Rolex Daytona geht. Nicht zuletzt, weil sich diese Rolex kaum noch jemand leisten kann – oder möchte.

Und obwohl die Big Block noch vergleichsweise „günstig“ ist, liegt sie dennoch im gehobenen Preisbereich von gern mal 5.000 Euro bis 10.000 Euro:

Vintage Uhren kaufen - 1976 Tudor prince oysterdate big block

Oben: Tudor Chronograph „Big Block“ mit Stahl-Lünette aus dem Jahr 1976 

Wer jedoch unter 5.000 Euro bleiben möchte, der schaut sich am besten die späteren Modelle mit der Referenz 79260 (s. ebay – Partnerlink/Werbung) bzw. die Varianten mit verwandten Referenzen nach den Referenzen 792XX an. Sie alle laufen unter der Bezeichnung „Small Block“ – wegen des etwas kleineren Gehäuses. Der Produktionszeitraum dieser Chronos lag in den Jahren 1995 bis 2.000. 

Und ähnlich wie bei der Omega Seamaster James Bond oben, besteht auch hier die Möglichkeit, dass Ihr mit Glück noch Modelle mit Tritium-Zifferblatt und Zeigern bekommt. Die sind natürlich besonders sammelnswert.

Bei dem verbauten Werk handelt es sich übrigens um ein ETA 7750. Reparaturen, Revisionen und Werk-Ersatzteile sollten also auch hier kein großes Problem darstellen (siehe oben).

Ironischerweise ist die Small Block aufgrund ihres schmaleren Gehäuses näher an der Daytona als die Big Block-Modelle. Da letztere aber (im besten Fall) noch einen mit „Rolex“ markierten Gehäuseboden und eine Rolex-Krone haben, gelten sie als die gesuchteren Modelle.

Aber zurück zu unserem Tipp: Unter den Referenzen 792XX gibt es zig Varianten – unterschiedliche Lünetten, Zifferblatt-Designs und Farben.

Hier müsstet Ihr in die eigene Recherche gehen und Euch Euren Favoriten aussuchen – und Euch ein solides Grundwissen dazu aneignen.

Zum Beispiel steht ein „P“ nach der Ref. 79260 dafür, dass die Hörner bzw. Bandanstöße poliert sind – und nicht geschliffen. Und von diesen „Kleinigkeiten“ gibt es noch einige weitere. Es gibt einiges zu wissen und zu beachten. Also, nehmt Euch die Zeit und macht Euch vorher ausgiebig schlau. Zum Beispiel in diesem Artikel auf Herr Strohms Uhrsachen und natürlich bei Tudor auf der Website.

Preislich bekommt Ihr diese Tudor Chronographen – je nach Beliebtheit der Variante, Zifferblatt-Farbe, Zustand und Lieferumfang – durchaus im Bereich von 3.000 Euro bis 5.000 Euro (s. ebay – Partnerlink/Werbung).

Und sollten die Preise darüber liegen und Ihr bereit sein, sie zu zahlen, dann könnt Ihr natürlich auch direkt bei den Big Blocks (s. ebay – Partnerlink/Werbung) schauen.

Soweit also mit den Tipps in Sachen Vintage-Uhren kaufen.

Viel Spaß beim Stöbern! :)

(To be continued…?!) 

 

Weitere Lese-Tipps (s. auch oben):

Vintage Quartz-Uhren – Fundstücke & Tipps (Update 2023)

Stimmgabeluhren – IWC Electronic, Bulova Accutron & Co. (Update)

 

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