Interview mit Helmut Sinn – Teil 2

(Lesezeit: 3 Min.)

Fortsetzung:

(zum ersten Teil des Interviews)

Kommen wir zu den günstigen Zeitmessern: Was halten Sie von Quarz-Uhren?
„Wenn einer heute eine anständige Uhr will, es ihm wirklich nur um die Uhrzeit geht und er die Uhr als Gebrauchsgegenstand sieht, dann soll er eine Quarz-Uhr nehmen. Die bekommt man heutzutage bereits für 60 bis 80 Euro. Man trägt sie zwei Jahre, bringt sie dann zur Kontrolle, wechselt die Batterie und hat sie dann weitere zwei Jahre – ohne weitere Probleme. Ohne Reparatur, ohne Aufziehen, ohne alles. Geht immer. Sekundengenau.“

Und was ist mit Uhrensammlern, die auf meist recht teure und mechanische Uhren setzen?
„Als Sammler Uhren zu kaufen, das ist in etwa so, wie wenn man Brillanten kauft. Wenn eines Tages alles, all die vielen Uhren der Nobel- und Luxusmarken  auf den Markt kommen und es zum großen Knall kommt, das können Sie ruhig erwähnen, dann sind die mit Sicherheit nichts mehr wert.“

Meinen Sie?
„Ja, was sollen die Leute denn dann bezahlen für so eine Uhr, die in solchen Massen auf dem Markt ist?“

Also, ich selbst habe vor fünf Jahren eine alte Uhr eines namhaften Hersteller gekauft, die ich heute für mindestens das Doppelte verkaufen kann…
„Na ja, dann müssen Sie jetzt die Gelegenheit nutzen und verkaufen. Denn der Zeitpunkt wird kommen. Sie sehen ja, wo die Wirtschaft hinführt,  dann werden die Leute mit all ihren Sachen herausrücken.

Informieren Sie sich eigentlich noch über Uhren? Lesen Sie Uhrenmagazine?
„Nein, ich lese kaum noch. Nur, wenn ich aus Zufall darauf stoße. Ich weiß ja wie viel Humbug, wie viel Lug geschrieben wird. Und wenn ich sehe, was für einen Schmand die zusammenschreiben über die Uhren… Ich kann es nicht mehr lesen. Ich seh doch dahinter und weiß, was es ist. Die Preise stehen doch in keiner Relation mehr!“

Sie meinen Uhren namhafter Hersteller, die gern mal zwischen 2.000 und 3.000 Euro kosten?
„Die Uhren in dieser Preislage sind in der Relation zum tatsächlichen Wert der Werke viel, viel zu teuer.“

Herr Sinn beginnt, mir die durchschnittlichen Preise für Uhrenteile aufzuzählen. Er nennt Preise für Werke, Stahlgehäuse, Zifferblätter, Zeiger etc. Man merkt, dass er jahrzehntelange Erfahrung und offensichtlich immer gute Kontakte und Konditionen hatte.  

Sie verkaufen seit Ende 2011 auf www.Helmut-Sinn.com Armband-, Taschen-, Bord- und Stoppuhren aus Ihrer eigenen Sammlung
„Viele meiner Sinn-Uhren sind schon weg. Einige sehr wertvolle Sammlerstücke sind noch da, aber auch schöne und seltene Uhren, die man zu einem guten Preis bekommt – zum Teil weit unter 1.000 Euro. Bei den Armbanduhren sind es Sammlerstücke von Heuer, Omega, Hamilton und Lemania. Bei den Taschen-/Stoppuhren Sammlerstücke von Sinn, Omega, Longines und einige weitere gute Namen. Wer Navigations- und Borduhren liebt, findet bei mir Klassiker von Junghans – und natürlich von Sinn.“

Eine Reihe Sinn-Uhren - (v.r.) Chronosport 20.50.04, Sinn 142, 144 GMT, 144

Eine Reihe Sinn-Uhren – (v.r.) Chronosport 20.50.04, Sinn 142, 144 GMT, 144

Einige Uhren haben einen beachtlich hohen Wert… Was machen Sie, wenn sich diese Uhren nicht so leicht verkaufen lassen?
„Jetzt habe ich erst einmal einen Teil meiner Sammlung verkauft – in der Preislage, die heutzutage akut ist. Irgendwann werde ich mal wieder Bilanz machen und gucken, was ich noch habe und für wie viel ich sie verkaufen will. Oder ich tausche sie. Vielleicht gegen etwas anderes, das mir gut tut. Ich habe schon Angebote erhalten. Ich denke da aber an etwas Besonderes. Eine Weltreise vielleicht – mit dem Flugzeug. Aber nicht als Pilot, wie früher, sondern mit einer Fluggesellschaft, die mich mitnimmt.“

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung habe ich gelesen, dass Sie gerade ein Buch schreiben? Worüber wird es sein und was darf man erwarten?
„Es wird eine Biografie. Natürlich wird auch das Kapitel des nicht so schönen Ausstiegs aus meiner eigenen Firma Thema sein. Ich habe damals mein gesamtes Geld, das ich hatte, mit den vielen Prozessen verloren und musste danach sogar Geld aufnehmen. Es gibt viel zu erzählen und aufzuarbeiten… Aber das werde ich alles ich in meinem Buch ausführen. Und  noch sehr viel mehr.“

Dann freuen wir uns auf das Buch und weitere Einblicke in Ihr Leben. Vielen Dank für ihre Zeit und das Interview, Herr Sinn. 

Siehe auch:

Interview mit Helmut Sinn – Vorwort

Interview mit Helmut Sinn – Teil 1

 

Hinweis: Dieses Interview fand Ende 2012/Anfang 2013 statt. Es erschien erstmals in englischer Sprache im befreundeten Uhren-Blog worn & wound

Theodossios Theodoridis

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